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Feilschen

Wie Sie den besten Preis erhandeln

Ausgabe November 2001/ 4. Jahrgang

 

Ferienwohnung im Sonnenhaus Rügen
Das Rabattgesetz ist am 1. August 2001 gefallen: größere Freiheit für Händler und Käufer. Aber nicht jeder wagt, unverblümt einen Preisnachlaß zu fordern. Manchem ist es peinlich, zu handeln wie auf einem orientalischen Basar. Die Tips und Tricks von EGO-Net helfen Ihnen Geld sparen.
 

Drei Änderungen wirbeln in diesen Monaten das gewohnte Preisgefüge durcheinander:

1.Der Fall des 1933 (!) nur in Deutschland eingeführten Rabattgesetzes wird dafür sorgen, das selbstbewußte Kunden weniger Geld ausgeben als Schüchterne.

2.Die Einführung des Euro als Bargeld werden Händler nutzen, um laut einer von der ARD intiierten Studie die Preise um bis zu 20 Prozent heraufzusetzen - unter anderem, um Verluste durch feilschende Kunden wieder auszugleichen.

3.Ab Januar 2002 gilt in Anpassung an EU-Normen eine gesetzliche Garantie von zwei Jahren (Gebrauchtwagen ein Jahr) statt von nur sechs Monaten. Der Verkäufer muß beweisen, daß die Ware beim Verkauf einwandfrei war und darf sich nicht mehr auf Bedienungsfehler herausreden. Bei unzureichend oder gar nicht erbrachten Leistungen dürfen Sie nicht nur vom Kaufvertrag zurücktreten, sondern zusätzlich noch Schadensersatz fordern. Das alles wird dazu führen, daß Händler und Produzenten die Qualität verbessern, die sie auf Preiserhöhungen umlegen werden.

Ob diese Änderungen insgesamt für Sie vorteilhaft sein werden, hängt davon ab, ob es Ihnen gelingt, den Spielraum in der Preisgestaltung voll zu Ihren Gunsten auszunutzen. Da Kunden, denen das Feilschen peinlich ist, im Schnitt höhere Preise zahlen werden, sind für die Mutigen und Geschickten Preisnachlässe in beträchtlicher Höhe drin:

·       bei Kleidung und Schuhen bis zu 30 Prozent, bei teuren Designerstücken auch mehr

·       bei Möbeln bis 20 Prozent, wenn Sie komplette Einrichtungen kaufen, bei Ausstellungstücken bis 50 Prozent

·       Computer und Elektronik, sofern Sie nicht das allerneueste Modell wählen, bis 20 Prozent.

Je teuer eine Ware und je seltener ihr Kauf, desto höher der mögliche Rabatt. Wer also bei Autos oder Immobilien nicht handelt, ist selbst schuld. Bei Lebensmitteln und anderen Massenartikeln wird sich dagegen nichts ändern. Bücher und Zeitschriften fallen wegen der Festpreise (Buchpreisbindung) ohnehin aus den neuen Rrgelungen heraus. Kaufhäuser und Supermärkte wie REAL und Kaufmarkt weisen in Anzeigen darauf hin, daß bei ihnen kein Preisnachlaß ausgehandelt werden kann. Viele von ihnen setzen statt dessen auf Kundenkarten, die auf jeden Einkauf einen feststehenden Rabatt gewähren.

Wie feilschen Sie erfolgreich? Mit folgenden Regeln und Informationen sparen Sie Geld:

Gehen Sie nicht unvorbereitet zum Einkauf langlebiger Waren. Vergleichen Sie vorher die Preise, zum Beispiel über das Internet. Mit starken Argumenten haben Sie bessere Chancen beim Verkäufer.

Das Aushandeln von Preisen ist ein Machtkampf, in dem ein Interessenkonflikt ausgetragen wird. Der Verkäufer will möglichst viel Geld aus Ihnen herausholen, Sie wollen möglichst wenig zahlen. Auch die Verkäufer bereiten sich deshalb vor. In Schulungen wappnen sie sich, Ihre Rabattwünsche höflich zu umgehen. Dazu gehören:

·       Die ausgeschilderten Preise so hoch ansetzen, daß Sie selbst nach einem Preisnachlaß noch mehr zahlen als in der Branche üblich.

·       Ihnen einen zu kleinen Nachlaß anbieten und so tun, als handle es sich Ihnen zuliebe um ein außergewöhnlich großzügiges Angebot.

·       Unverkäufliche Ware als Geschenk anbieten beim Kauf einer teuren Ware als Ersatz für einen angeblich nicht möglichen Preisnachlaß.

·       Irgendwelche besonderen Qualitäten oder Lieferbedingungen anpreisen, die einem Rabatt gleichkämen.

·       Auf Anzeichen achten, wie stark der Kunde zum Kauf entschlossen ist. Wenn erkennbar ist, daß der Kunde auf jeden Fall kaufen wird und nur probeweise feilscht, kann der Verkäufer einen Nachlaß freundlich ablehnen und ihm versichern, daß er mit dem vollen Preis einen günstigen Einkauf machte.

Schlagen Sie den Verkäufer mit seinen Waffen. Gehen Sie nicht in Kampfstimmung, sondern entspannt und freundlich ins Verkaufsgespräch. Wenn Sie aggressiv auftreten ("Also ich sag Ihnen gleich, wenn Sie mir nicht mindestens 20 Prozent entgegenkommen, geh ich woanders hin"), geht auch der Verkäufer in Kampfhaltung. Er möchte zwar verkaufen, aber er hat auch seinen Stolz. Deshalb ist es auch sinnlos, überhöhte Forderungen zu stellen. Wer etwa bei einem Auto 50 Prozent Nachlaß fordert, mit dem Hintergedanken durch wechselseitiges Entgegenkommen am Ende 25 Prozent zu erhalten, wird erleben, das der Verkäufer ein Verhandeln auf dieser Basis ablehnt.

Wenn möglich, nehmen Sie zum Kauf einen Experten mit, der sich bei der Ware, die Sie kaufen wollen, auskennt. So neutralisieren Sie Verkaufsargumente, die Rabatte mit dem Verweis auf eine außergewöhnliche Leistung oder Qualität verweigern.

Gehen Sie niemals in Eile oder mit dem Vorsatz, auf jeden Fall zu kaufen, in den Laden. An Ihrer Stimme und Ihrer Körperhaltung erkennen erfahrene Verkäufer sehr genau, ob Sie nur pro forma feilschen, aber eigentlich längst kaufentschlossen sind. Bedenken Sie: die haben täglich acht Stunden lang mit Kunden zu tun, Sie dagegen nur selten mit Verkäufern. Verschärfen Sie diese ungleichen Ausgangsbedingungen nicht noch, indem Sie sich in Zugzwang bringen.

Bereitet es Ihnen keine Probleme, selbstbewußt einen Rabatt zu fordern, eröffnen Sie mit der Frage: "Welchen Preis schlagen Sie vor?" Da Verkäufer eher verschämte Kunden gewöhnt sind, bieten sie in dieser Situation oft spontan mehr an als Sie hoffen durften.

Wenn es Ihnen peinlich ist, direkt einen niedrigen Preis zu fordern, starten Sie mit einer indirekten Ich-Aussage, etwa so: "Ich brauche demnächst wieder ein paar neue hochwertige Jogging-Schuhe, gut gedämpft. Ich möchte nicht mehr als 120 Mark ausgeben. Haben Sie etwas Geeignetes anzubieten?" Lassen Sie durchblicken, daß Sie bereit sind, auch noch in weiteren Läden nachzufragen. Da solche Schuhe in der Regel zwischen 180 und 300 Mark kosten, wird man Ihnen zunächst ein Angebot in diesem Preissegment machen. Beharren Sie freundlich im Ton, aber hart in der Sache auf Ihren Preisvorstellungen. Behaupten Sie, mehr als 120 Mark könnten Sie sich nicht leisten. Erst wenn Sie nach Prüfung mehrerer Modelle erfahren haben, bei welchem Preisnachlaß der Verkäufer lieber auf Sie als Kunde verzichtet, als die Schuhe noch weiter herunterzusetzen, kommen Sie ihm zu einem Preis über 120 Mark entgegen - wenn er auch noch mal zehn Mark nachläßt. Können Sie sich mit dem Verkäufer nicht einigen, zahlen Sie nicht seinen Preis, sondern gehen lieber in einen zweiten Laden und starten dort mit 140 oder 150 Mark.

Feilschen Sie diskret. Kein anderer Kunde sollte Ihre Preisverhandlung mithören. Lautstärke ist nur auf einem arabischen Markt ein Muß. Bei uns führt sie zur Ablehnung, weil sonst der Verkäufer nach Ihnen auch allen anderen Kunden, die mitgehört haben, den gleichen Preisnachlaß gewähren müßte. So ungerecht es ist: ein hoher Rabatt ist für Sie nur drin, wenn andere Kunden die Handelsspanne, die Sie gespart haben, mitbezahlen. Wie sollen sonst die Händler in der Gesamtbilanz auf ihre Kosten kommen?

Preisnachlässe nicht mit Lehrlingen aushandeln! Die haben feste Vorgaben, wieviel Sie mindestens verlangen müssen. Langjährige Angestellte oder der Chef selber haben einen größeren Spielraum und müssen keine Sanktionen fürchten, wenn Sie bei Ihnen mehr nachgeben als sonst üblich.

Doch vielleicht werden Sie Ihre Fertigkeiten zum Feilschen bald nicht mehr brauchen: Das Magazin New Scientist berichtete im August über ein Computerprogramm, das Wissenschaftler vom IBM-Forschungszentrum in Hawthorne im US-Staat New York entwickelten. In einem Testlauf von sechs Menschen gegen sechs Roboterhändler konnten die Maschinen vergleichbar gute Preise erhandeln wie ihre menschlichen Kollegen. Noch sind die Computerprogramme recht einfach aufgebaut. Durch weitere Verbesserungen der Software sollen die Geräte durch zäheres und geschickteres Feilschen den Menschen schon in naher Zukunft übertrumpfen.

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