EGO-NET.de
Ausgabe 10/2000
Unser Titelthema:
Wohlfühl-Intelligenz
Wie Sie schlechte Stimmungen auf Dauer verjagen

Immer Himmel hoch jauchzend und nie zu Tode betrübt - wer möchte nicht für immer auf die Sonnenseite des Lebens gelangen? Dafür brauchen Sie weder Reichtum, noch besondere Begabungen, sondern die Fähigkeit, die Glückspotenzen Ihres Alltags zu entdecken. Und die läßt sich lernen, wie ein neues Buch aus der EGO-Net-Redaktion zeigt. Wir stellen es Ihnen vor.
 
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Zwischen Fremdheit und Geborgenheit

Psychologie der kulturellen Identität

Unsere Serie
„Typisch Frau – Typisch Mann“
Teil 11:

Sex oder Liebe
Warum Männer trennen, was für Frauen zusammengehört
Börsenpsychologie
(Teil II)

Psychofalle Geld
Wer anderen hilft, hilft sich selbst
Für Mitmenschen da sein stärkt das Ego

Was wissen wir vom Weihnachtsmann?
Der 24. Dezember - streng wissenschaftlich betrachtet

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Repräsentative Umfragen zeigen: Zufriedenheit und Wohlbefinden schätzen die meisten Menschen höher als Geld, Ansehen und Karriere. Kein Wunder, denn sie sind schwerer zu erlangen und leichter wieder zu verlieren als die äußerlich sichtbaren Glücksgüter. Nun kennt aber fast jeder in seiner Umgebung Glückskinder, denen alles leicht von der Hand zu gehen scheint. Die selbst in trüben Stunden und nach schweren Verlusten Gründe finden, sich am Leben zu freuen. Mit herkömmlicher Klugheit hat dieses Talent nichts zu tun. Schon Hermann Hesse schrieb: ich neige manchmal dazu, glückliche Menschen für heimliche Weise zu halten, auch wenn sie dumm scheinen. Was ist dümmer und macht unglücklicher als Gescheitheit!

Was macht die Fähigkeit sich wohlzufühlen aus? Psychologen haben in den letzten Jahren eine Reihe von Erkenntnissen zusammengetragen (siehe auch unsere drei Beiträge zum Thema "Glück" in EGO-Net April, Mai und Juni 1999). Ihr Fazit: Diese Fähigkeit ist nicht angeboren, auch wenn ein ausgeglichenes Temperament sie fördert. Bei den meisten werden die Grundlagen in der frühen Kindheit gelegt, aber auch später läßt sie sich noch erlernen - manchmal aus Einsicht und Erfahrung, oft aber erst nach schweren Schicksalsschlägen, die eine Besinnung auf das Wichtige im Leben auslösen.

Auf jeden Fall handelt es sich um

  • Kenntnisse, welche Verhaltensweisen unser Wohlbefinden verbessern und welche nicht,
  • Fähigkeiten zum Bewältigen von Konflikten, Krisen und anderer Lebensprobleme sowie
  • Kenntnis kreativer Strategien für das Erreichen innerer und äußerer Lebensziele,

also um Wissen und Fähigkeiten zum Erwerb neuen Wissens - und die sind, wie die Psychologie schon seit langem nachgewiesen hat, in hohem Maße erlernbar und werden üblicherweise mit "Intelligenz" bezeichnet. (siehe unseren Beitrag zur "Intelligenz", EGO-Net November 1999). In diesem Fall also als "Wohlfühl-Intelligenz".

Wie wir in unserer letzten Ausgabe vor der Sommerpause schon zeigten, orientiert sich Wohlfühl-Intelligenz auf den Genuß des Augenblicks. Berufliche und persönliche Erfolge reichen oft nicht aus, um sich wohl und glücklich zu fühlen. Jeder weiß von äußerst erfolgreichen Menschen - viele davon sind als Prominente in aller Munde - die trotz aller äußeren Anerkennung unzufrieden sind und deswegen unablässig neuen, noch höheren Zielen nachjagen.

Umgekehrt leben unter uns eine Reihe von Menschen, die weder überdurchschnittlich klug sind noch durch sensationelle Erfolge auffallen, aber sich wohl und rundum zufrieden fühlen. Sie verfügen vielleicht über keine sensationellen Begabung. Aber sie besitzen Wohlfühl-Intelligenz. Ihre wichtigsten Grundlagen sind:

Indidvidualität: Wohlfühl-Künstler wissen, was ihnen gut tut. Sie streben nicht danach, fremden Vorbildern nachzueifern, sondern nehmen die Wertmaßstäbe aus sich selbst. Allerdings nutzen sie das reiche Angebot ihrer Umwelt, um ihr Leben ständig zu bereichern.

Souveränität: In welchem Maße tun Sie, was andere von Ihnen erwarten? Wieviel Ihrer Zeit und Energie gehört wirklich Ihnen selbst? Zufriedene Menschen achten darauf, daß ihnen ein Großteil Ihres Lebens selbst gehört - und verzichten dafür unter Umständen auf ein höheres Einkommen oder eine steile Karriere.

Antizipation: Sie leben vorausschauend so, daß sie sich nicht nur heute, sondern auch in Zukunft wohlfühlen werden? Das ist kein Widerspruch zu dem Prinzip "Genieße den Augenblick". Wenn Sie sich gesund ernähren oder Sport treiben, so wollen Sie Spaß dabei haben und zugleich für ihre (zukünftige) Gesundheit und Aussehen tun.

Vielseitigkeit: Ausgeglichenheit ist ein zentrales Merkmal der Wohlfühl-Intelligenz. Wer im Beruf am Computer rechnen und konstruieren muß, sollte seine Freizeit nicht auch noch am Bildschirm verbringen, sondern schwimmen gehen und musizieren. Wer körperlich arbeitet, sollte in der Freizeit lesen oder Schach spielen. Einseitigkeit führt zu einseitiger Überlastung. Die meisten Menschen lassen leider viele ihrer ursprünglich angelegten Talente verkümmern und gehen als Erwachsene nur noch wenigen, meist einander sehr ähnlichen Beschäftigungen nach. Überlegen Sie selbst: Wieviel von dem, was Sie als Kind gut konnten, tun Sie heute noch?

Gelassenheit: Sie ist der Mittelweg zwischen spontaner Sofortreaktion und passivem Ignorieren unbequemer Anforderungen. Der Unterschied zwischen Gelassenheit und Ungeduld liegt im subjektiven Umgang mit der Zeit. Wem es an innerer Ruhe fehlt, läßt sich das Tempo äußerer Ereignisse aufzwingen. Geduldige Menschen handeln dagegen nach ihrem eigenen, subjektiven Zeitgefühl. Untersuchungen ergaben, daß mit steigendem Bildungsgrad und Wohlstand das Zeit-Unwohlsein zunimmt. Also die Sorge, nicht genug Zeit zur Verfügung zu haben.

Soziale Kontakte: Freundschaften wirken ebenso lebensverlängernd wie Ausdauertraining, ergab eine Studie. Daß viele alte Leute sich krank fühlen, liegt nicht so sehr an ihrem körperlichen Beschwerden. Sondern wegen ihrer Einsamkeit sind sie unablässig mit ihren Wehwehchen beschäftigt und erhalten daher in ihrem Denken eine übertriebene Bedeutung. Fröhliche Menschen sind dagegen fast immer äußerst kontaktfreudige Menschen.

Selbst-Entwicklung: Ein weiteres erstaunliches Resultat der Psychologie: Wer sich wohlfühlt, wird mit der Zeit immer unzufriedener, wenn er sich mit dem einmal erreichten Zustand zufrieden gibt. In unserem gut ausgepolsterten Leben, das kaum noch echte Existenznöte kennt, kommt es leicht zu Langeweile, wenn die angestrebten Lebensziele einmal erreicht sind. Lebenslange Neugier und Wißbegierde, Freude an kreativen Tätigkeiten und die Lust, immer wieder mal seinen Lebensstil zu ändern, halten dagegen die Lebensfreude aufrecht und machen das Dasein spannend.

Das Buch "Wohlfühl-Intelligenz" von EGO-Net-Autor Frank Naumann, neu erschienen im Verlag Gesundheit Berlin (ISBN 3-333-01081-X, DM 19,90), gibt ausführlichere Erklärungen, wie Sie Ihr Wohlbefinden dauerhaft steigern und liefert unter anderem einen Test, mit dem Sie Ihre Wohlfühl-Intelligenz (Ihren persönlichen "Wellness-Quotienten") testen können.
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