Das Geheimnis heißt
körpergerechter Laufstil. Unsere Gelenke, die Form
unserer Füße, das Zusammenspiel von Hüften,
Knien und Knöcheln ist in der Evolution entstanden.
Zu einer Zeit, als unsere Vorfahren bei Jagd und Wanderungen
ständig auf zwei Beinen unterwegs waren. Zu Zehen verkürzte
Finger, verdickter Ballen, ausgeprägte Brücke,
um 90 Grad gedrehtes Fußgelenk, stabile Ferse
alle diese Veränderungen entwickelten sich durch den
aufrechten Gang. Wobei Gang nur einen Teil der
Wahrheit beschreibt. Unsere Füße sind eine Anpassung
nicht an einen Gang, sondern an den Wechsel
zwischen verschiedenen Laufstilen:
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Langsames, entspanntes Gehen in Ruhe
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Beschleunigter Dauerlauf, der viele Kilometer weit
durchgehalten werden kann
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Kurzer Sprint bei akuter Gefahr.
Bei allen drei Gangformen setzen wir den Fuß verschieden
auf.
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Beim Gehen von der Ferse auf den ganzen Fuß,
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beim Sprint nur den Fußballen,
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beim Dauerlauf rollen wir den Fuß von der Mittelferse
über den Außenfuß zum Ballen ab.
Wenn wir den zur jeweiligen Laufart passenden Stil wählen,
nutzen wir auch die übrigen Gelenke in Knien und Hüften
optimal. Das bedeutet: selbst Leute mit beginnender Arthrose
können Ihre Beschwerden lindern, statt sie durch Joggen
zu steigern. Zwar läßt sich eine einmal abgeschabte
Kniescheibe nicht mehr regenerieren. Doch das Training stärkt
Muskeln und Knochen; sie entlasten die beschädigten
Gelenke und wirken einer weiteren Abnutzung entgegen.
Eigentlich ist Laufen das Einfachste auf der Welt. Wir
brauchen nur den natürlichen Bewegungsmustern zu folgen.
Leider ist durch den Profisport eine Menge Verwirrung in
das Gesundheitslaufen hineingetragen worden. Profiathleten
wollen möglichst schnell sein. Deshalb versuchen sie
ihren Laufstil auf ein höheres Tempo hin zu optimieren.
Sie wählen deshalb auch für Mittel- und Langstrecken
einen Sprintstil. Also den Lauf aus dem Sprunggelenk heraus
um Zeit zu sparen, berühren sie nur mit dem
Fußballen den Boden und befinden sich ständig
im Sprung schräg nach vorn.
Ein solcher Stil erfordert ein spezielles Krafttraining.
Nur mit einer an diese unnatürlichen Bedingungen angepaßten
Muskulatur können sie diesen Stil über längere
Strecken durchhalten und Schäden an Gelenken und Wirbelsäule
gering halten.
Immer wieder sieht man Hobbyjogger, die versuchen, diesen
Sprintstil nachzuahmen. Sie müssen mit Spätschäden
in Knien und Hüften rechnen. Ganz anders, wenn Sie
den von der Natur vorgesehenen, idealen Laufstil wählen.
Dann werden nicht nur die Gelenke geschont, ähnlich
wie bei Schwimmen und Radfahren. Sondern bereits vorhandene
Beschwerden verschwinden wieder.
Falls Sie den Verdacht haben, daß Ihr Laufstil Mängel
aufweist: kontrollieren Sie drei bis vier Wochen lang Ihre
Bewegungen beim Joggen gemäß den folgenden Empfehlungen.
Danach hat sich der neue Stil automatisiert. Es genügt,
ihn von Zeit zu Zeit zu überprüfen.
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Versuchen Sie nicht, möglichst viel Tempo zu
machen. Achten Sie vielmehr auf lockere, fließenden
Bewegungen. Betrachten Sie den Lauf nicht als ein Dahineilen,
sondern als gymnastischen Tanz. Wenn Sie den optimalen
Stil finden, erhöht sich das Tempo mit der Zeit
von allein.
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Machen Sie kleine, schnelle Schritte. Vermeiden Sie
ausladende Schritte (John-Wayne-Gang).
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Richtig: mit der Mittelferse aufkommen, über
Außenfuß zum Ballen abrollen, mit dem Vorderfuß
abstoßen. Falsche Stile für den Dauerlauf:
Den Fuß mit der Ferse in den Boden hacken. Auf
Fußballen laufen. Mit flachem Fuß aufklatschen.
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Laufen Sie aufrecht. Orientieren Sie sich nicht waagerecht
nach vorn, sondern senkrecht nach oben. Lassen Sie sich
vom Scheitel Richtung Himmel ziehen als ob Sie
nicht vorwärts laufen, sondern vielmehr der Boden
wie bei einem Laufband unter Ihnen nach hinten weg gleitet.
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Wollen Sie Ihr Tempo erhöhen, um Ihren Kreislauf
stärker zu fordern, schieben Sie lieber dreimal
eine Minute Sprint ein, den Sie auch im Sprintstil (Ballenlauf)
absolvieren. Die übrige Zeit bleiben Sie im langsamen
Dauerlauf (Puls unter 140). Wollen Sie dagegen für
Wettbewerbe trainieren (z. B. Marathon), besorgen Sie
sich Spezialliteratur und befolgen Sie genau das Trainingsprogramm
aus Intervall-Läufen und Krafttraining.
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Benutzen Sie nur gut gedämpfte Schuhe. Sie federn
40 Prozent der Belastung ab. Wechseln Sie zu neuen Schuhen,
bevor die Sohle abgelaufen ist. Sobald sich das Aufkommen
mit dem Fuß nicht mehr weich und nachgiebig, sondern
hart anfühlt, ist eine Erneuerung fällig.
Wählen Sie Auslaufmodelle aus dem Schlußverkauf,
wenn Sie Geld sparen wollen, aber trennen Sie sich von
Ihre alten Tretern nach 800 bis 1000 Kilometern.
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Spüren Sie einseitigen Muskelkater oder nutzen
sich Ihre Schuhe unterschiedlich ab, lassen Sie sich
von einem Sportarzt untersuchen. Zu Einlagen und Spezialschuhen
sollten Sie sich nur dann überreden lassen, wenn
angeborene Fehlstellungen (wie unterschiedlichen Beinlängen)
vorliegen. Sind die Beschwerden Folge eines falschen
Laufstils: unbedingt den Laufstil korrigieren! Orthopädische
Einlagen würden in diesem Falle das Gegenteil erreichen.
Um zum vorigen Körpergefühl zurückzukehren,
verstärkt man mit Einlagen den falschen Stil.
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Gönnen Sie sich zweimal in der Woche ein kleines
Krafttraining. Ein paar Übungen für Oberarme,
Schultern, Rücken und Bauch stabilisieren Ihre
Körperhaltung. Jogger sollten ab und zu Rad fahren.
Das trainiert einige Beinmuskeln, die beim Laufen kaum
beansprucht werden. Sind sie zusätzlich trainiert,
stärken Sie die Leistung der Beine.
Unser Lesetip:
Benita Cantieni: Lauf
los!
aber richtig. Schritt für Schritt zur
idealen Lauftechnik. Südwestverlag 2001
Lesen Sie aus früheren EGO-Net-Ausgaben:
Ich müßte mal
was für meinen Körper tun ... Fitnesstips
für Anfänger
Marathon Einmal
den Lauf der Läufe bestehen!
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