Das erste
Bier wurde bereits vor rund zehntausend Jahren im heutigen
Sudan aus einer tropischen Hirseart gebraut. Die alten Ägypter
verwendeten Gerste, die sie mit wild wachsender Hefe vergoren.
Sie glaubten, daß Osiris, der Gott des Ackerbaus,
ihnen die Kunst des Bierbrauens brachte. Hopfen findet seit
dem siebten Jahrhundert vor Christus Verwendung. Die ältesten
Spuren von Bier in Europa sind 3000 Jahre alt, stammen aus
dem Nordosten Spaniens und wurden erst 1997 entdeckt.
Nach Nordeuropa kam das Bier durch die Römer.
Ein norwegischer Historiker berechnete einmal, daß
zur Zeit der Wikinger (8. bis 11. Jahrhundert) die gesamte
Getreideernte Norwegens benötigt wurde, um deren Bierbedarf
zu decken. In andere Regionen Europas führten Missionare
und Mönche das Bierbrauen ein. Es ersetzte nach und
nach das Met, ein aus Honig und Wasser gegorenes Weingetränk.
Je mehr sich das Bier durchsetzte, um so häufiger wurde
es - vor allem seit der Industrialisierung Anfang des 19.
Jahrhunderts - als Hauptquelle von Trunkenheit und Alkoholismus
verteufelt.
Rotnasige Kerle mit Bierbäuchen stemmen
in Kneipen rülpsend schwere Bierseidel und torkeln
in der Nacht grölend nach Hause ... Bier, das Lieblingsgetränk
des deutschen Mannes, hat noch immer einen schlechten Ruf.
Doch nur eine kleine Minderheit schüttet den Gerstensaft
literweise in sich hinein. In Maßen genossen, erweist
er sich als wahrer Gesundbrunnen.
Täglich ein halber Liter Bier ist gesünder
als gar kein Alkohol. Diese verblüffende These haben
mehrere Forschergruppen unabhängig voneinander in Studien
untermauert. Sie nahmen dabei unterschiedliche Inhaltsstoffe
unter die Lupe.
Alkohol. Ein wenig Alkohol am Tag schützt
Herz und Kreislauf. Insbesondere in Getränken mit geringer
Alkoholkonzentration, also Bier und Wein. Der Grund: Blutplättchen
haben die Neigung zu verklumpen - eine Eigenschaft, die
hilft, frische Wunden rasch zu schließen, aber leider
auch die Arterienverkalkung und Infarkte begünstigt.
Regelmäßige geringe Alkoholmengen vermindern
das Verklumpen um etwa 25 Prozent. Der Alkohol hat außerdem
eine entzündungshemmende Wirkung, ist also ein natürliches
Antibiotikum. Da nach neuesten Erkenntnissen an Infarkten
innere, von Bakterien verursachte Entzündungen beteiligt
sind, haben Gelegenheitstrinker eine längere Lebenserwartung
als Totalabstinenzler. Ein halber Liter Bier pro Tag (bei
Frauen ein viertel Liter) verlängert die Lebenserwartung
um durchschnittlich zwei Jahre.
Antioxidantien. Einige Inhaltsstoffe,
die insbesondere der Hopfen beisteuert, bekämpfen krebsauslösende
freie Radikale. Freie Radikale sind Umweltstoffe, die eine
aggressive freies Elektron enthalten (meistens an einem
Sauerstoffatom). Es zieht eine chemische Bindung aus einem
körpereigenen Molekül heraus, das seinerseits
ein weiteres Molekül zerstört - solange bis es
auf ein Antioxidantium trifft, das heißt, auf eine
Substanz, die die fehlende Bindung liefert, ohne seinerseits
wieder woanders eine Elektron zu stehlen. Bier liefert solche
Substanzen und beugt so Zellschädigungen vor, die Krebs
auslösen können. Ein typischer Lieferant freier
Radikale ist die Brutzelkruste, die beim Grillen auf Fleisch
und Fisch entsteht. Ein Bier zum Steak ist daher gesund.
Die Antioxidantien des Biers schützen
laut amerikanischen Studien außerdem vor grauem Star.
Bei dieser Augenkrankheit ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel,
der die Linse schädigt, ein wichtiger Risikofaktor.
Die Forscher wiesen nach, daß Antioxidantien des Biers
spezielle Zellteile des Auges schützen.
B-Vitamine und Bitterstoffe.
Bier ist Nervennahrung. Die Vitamine der B-Gruppen schützen
und stärken das Nervengewebe und bauen Stresshormone
ab. Entscheidend ist die Kombination der Vitamine mit anderen
biologisch wirksamen Stoffen wie Magnesium, Kalium, Zink,
Selen und Eisen. Der Cocktail übertrifft in seiner
Mischung die Wirkung teure, künstliche Energydrinks.
Der Inhaltsstoff Xanthohumol beugt außerdem Osteoporose
(Knochengewebsschwund) vor und unterstützt die kreislaufschützende
Wirkung des Alkohols.
Hopfen. Der Hopfen liefert dem Bier
eine Reihe zusätzlicher antibakterieller Schutzsubstanzen,
die den Alkohol in seiner entzündungshemmenden Wirkung
unterstützen. Schon eineinhalb Liter Bier pro Woche
bekämpfen das Bakterium Heliobacter pylori, das Magengeschwüre
auslöst.
Sind also alle früheren Warnungen nicht
mehr gültig? Keineswegs: Auf die Menge kommt es an.
Wird die Dosis von einem viertel (Frauen) beziehungsweise
einem halben (Männer) Liter pro Tag öfters überschritten,
heben die negativen Folgen erhöhten Alkoholgenusses
die positiven Wirkungen auf. Schon ein halber Liter Bier
am Tag steigert bei Frauen (bei Männern ein Liter)
das Risiko, später einmal an Leberzirrhose zu erkranken.
Auch das Krebsrisiko, vor allem im Mundraum und Darm, wächst.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Suchtgefahr.
Der Übergang vom regelmäßigem Bierchen zur
Abhängigkeit wird erst dann bemerkt, wenn es zu spät
ist.
Bleibt also das Fazit: Ein Bier zum Essen
ist zu empfehlen. Als Durstlöscher im Sommer sollten
Sie jedoch lieber auf Mineralwasser oder eine Apfelschorle
zurückgreifen.