Als kalifornische Wissenschaftler
eine Gruppe Studenten sechs Wochen lang ausschließlich
Fast Food essen ließen, erlebten sie eine handfeste
Überraschung. Eigentlich wollten sie nur zeigen, daß
ungesunde Ernährung die Fähigkeit vermindert,
Streß zu ertragen. Dieser Effekt zeigte sich auch:
Die Studenten wurden unruhiger und aggressiver. Viel erstaunlicher
war aber ein unerwarteter Nebeneffekt. Ihr jugendliches
Aussehen ging verloren. Von Beobachtern wurden sie bis zu
14 Jahren älter geschätzt. Zwei anschließende
Wochen mit Vitaminen pur machten die Alterung jedoch nicht
nur rückgängig, sondern erzeugten sogar einen
zusätzlichen Verjüngungseffekt. Läßt
sich die Lebensuhr beliebig hin und her drehen?
Das maximal mögliche Alter des Menschen ist genetisch
vorgegeben und liegt bei etwa 120 Jahren. Wahr ist aber
auch, daß weniger als 1 Prozent über 100 werden.
Nur bei wenigen sind Erbkrankheiten am früheren Tod
schuld. Zu mindestens 80 Prozent liegt die Ursache in der
Lebensweise.
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem kalendarischen
Alter, das sich Jahr für Jahr an Ihrem Geburtstag genau
um die Zahl 1 erhöht, und dem tatsächlichen biologischen
Alter. Letzteres ergibt sich aus dem Vergleich Ihrer seelischen
und körperlichen Funktionen mit dem Durchschnitt der
gleichaltrigen Bevölkerung. Also in ähnlicher
Weise wie die Bestimmung des Intelligenzquotienten, bei
dem auch die individuelle Leistung mit dem Durchschnitt
der Gleichaltrigen verglichen wird.
Die meisten dieser Funktionen können nur in medizinischen
Labors ermittelt werden: Urin- und Blutwerte, Hormonstatus
und ähnliches. Da aber der Körper ein Ganzes ist,
dessen Teile sich wechselseitig beeinflussen, sind überdurchschnittlich
gute biologische Werte äußerlich sichtbar. Wer
biologisch jünger ist als sein kalendarisches Alter
vermuten ließe, wirkt auch äußerlich jünger.
Bei einigen Funktionen ist der Zusammenhang sofort einzusehen.
Drei Beispiele:
Junge Blutwerte - das bedeutet, das Blut ist dünnflüssiger,
transportiert weniger freie Radikale, enthält mehr
schützende Immunsubstanzen und die Arterien sind nicht
durch Ablagerungen verengt. Das führt zu einer besseren
Durchblutung der Haut, die daher optimal mit Nährstoffen
und Wasser versorgt wird. Folglich ist die Haut straffer,
rosiger und weniger faltig. Kurz, sie wirkt jünger.
Fitnesstraining erhöht die Fähigkeit der Muskeln,
den Körper in Bewegung mit minimalem Energieaufwand
in Bewegung zu setzen. Deshalb gehen trainierte Menschen
aufrechter, sehen weniger müde aus und zeigen einen
beschwingten Gang. Ausdauertraining setzt außerdem
Glückshormone frei. Die gute Laune ist im Gesicht und
an der Gestik zu erkennen. Auch diese Faktoren vermitteln
den Eindruck einer Verjüngung.
Lebenslanges Lernen und Aufgeschlossenheit für Neues
halten nicht nur Gedächtnis und Denken jung. Sie wirken
sich auch auf den Gesprächsstil aus. Wer sich regelmäßig
geistige Anregungen gönnt, erweitert seinen Wortschatz,
redet flüssiger und abwechslungsreicher. Er hört
außerdem aufmerksamer zu, weil er motiviert ist, von
anderen Neues zu erfahren. Auch das deuten Beobachter als
Zeichen von Jungsein, denn alte Leute hören am liebsten
sich selbst von guten alten Zeiten reden, verstehen neue
Trends nicht und wollen sie oft auch nicht mehr verstehen.
Ein dauerhafter Verjüngungseffekt wird allerdings
nur erzielt, wenn die Lebensweise ganzheitlich geändert
wird. Wer beispielsweise dick ist und dann mit 50 oder 60
durch exzessives Ausdauertraining stark abnimmt, hat sicher
Gutes für seine Gesundheit getan, wird aber eher älter
aussehen, weil die Haut, der das spannende Fett entzogen
wurde, nun faltig aussieht.
Einen erfolgreichen Verjüngungseffekt, der nicht nur
Ihr Aussehen und Ihr Wohlbefinden verbessert, sondern außerdem
Ihre persönliche Lebenserwartung dem genetisch möglichen
Maximum annähert, erreichen Sie vor allem durch folgende
Faktoren der Lebensweise:
Ausdauertraining: Wenn Sie mindestens 2000 Kalorien
pro Woche (entspricht etwa 3 Stunden Joggen) durch Laufen,
Radfahren oder ähnliches verbrennen, erreichen Sie
eine Verjüngung Ihres Kreislaufs und Ihres Immunsystems
von bis zu 30 Jahren. Trainierte 60jährige erzielen
medizinische Werte von untrainierten 30jährigen.
Muskeltraining: Ab dem dreißigsten Lebensjahr
bis zum Lebensende geht die Muskelleistung auf weniger als
die Hälfte zurück. Ein mäßiges, aber
regelmäßiges Muskeltraining, das keine Bodybuilderfigur
anstrebt, sondern die Bewahrung der jugendlichen Kraft und
Geschicklichkeit, verjüngt um bis zu 20 Jahre.
Ernährung: Ein Kilo Obst und Gemüsen am
Tag, viel Vollkornprodukte, mäßig Fisch, wenig
Fett und Süßigkeiten - das macht schlank und
agil, schützt den Kreislauf, das Immunsystem und beugt
Krebs vor. Verjüngungseffekt bis zu 20 Jahren.
Flüssigkeit: 2 Liter Flüssigkeit (Mineralwasser,
Kräutertee, Säfte) am Tag entgiftet die Nieren,
hält die Haut geschmeidig und verringert das Thrombose-
und Infarktrisiko. Verjüngungseffekt bis zu fünf
Jahren. (Achtung: für Alkohol und Kaffee trifft das
Gegenteil zu. Sie regen die Nierentätigkeit an und
entziehen so dem Körper Flüssigkeit.)
Jugendliche Einstellung: Interesse für Neues
und lebenslanges Lernen halten das Gehirn in Bewegung. Routine
beschleunigt den Altersabbau. So fand man überraschenderweise
heraus, daß alte Leute in den vermeintlich ungesunden
Großstädten länger fit bleiben als auf dem
Lande. Der Grund: mehr Abwechslung, mehr Notwendigkeit,
selbständig zu handeln. Das wirkt sich nicht nur auf
Gedächtnis und kreative Fähigkeiten aus, sondern
auch auf alle Körperfunktionen, die ja vom Gehirn aus
gesteuert werden. Verjüngung um bis zu zehn Jahren.
Soziale Kontakte: ein Freundeskreis, in dem man
sich wohl fühlt, hält beinahe ebenso jung wie
Sport. Das bewies vor einem Jahr der Altersforscher Thomas
Glass von der Harvard-Universität. Dieses Ergebnis
hat den Forscher selbst überrascht. Einsamkeit verkürzt
das Leben dagegen um durchschnittlich vier bis fünf
Jahre.
Sex: Wer mindestens dreimal pro Woche Sex hat, wirkt
bis zu zehn Jahre jünger als enthaltsame gleichaltrige,
fand der Brite David Weeks 1998 in einer Befragung von 3500
Menschen heraus, die jünger aussehen, als sie laut
Kalender sind. Die Ursache, Hormone, die in der Erregung
ausgeschüttet werden, glätten die Haut und entspannen
die Seele.
Vermeiden von Risikofaktoren: Wer nicht raucht,
nur gelegentlich mal ein Vier oder Wein trinkt, stressige
Dinge langsam angehen läßt, der entzieht sich
Umweltfaktoren, die viele Menschen vorzeitig altern lassen.
Das Ergebnis: er wirkt jünger als der Durchschnitt
derer, die die Risikofaktoren nicht meiden.
Gelassenheit und Humor: Wer die Dinge mit Abstand
betrachtet und Problemen eine komische Seite abgewinnt,
wirkt jünger. Der Grund ist die gute Laune, die aus
dem Gesicht strahlt. Lächelnde Gesichter werden um
rund fünf Jahre jünger geschätzt. Mit Recht.
Denn um etwa genauso viel Jahre werden optimistische Menschen
älter als Leute mit mäßiger Laune.
Mit Absicht haben wir bei den Verjüngungsangaben geschrieben:
"bis zu 30 Jahren". Das maximale Ergebnis tritt nur ein,
wenn nicht nur der eine Faktor über Jahre optimal jung
gehalten wird, sondern ihre Kombination. Deswegen können
Sie leider nicht die einzelnen Verjüngungszahlen addieren.
Sondern realistisch betrachtet, ist eine Gesamtverjüngung
von etwa zehn Jahren möglich, wobei einzelne Körperfunktionen,
wie etwa die Lungenkapazität, bei Älteren bis
zu 30 Jahren jünger als der Durchschnitt Ihrer Altersgenossen
bleiben können.
Was nach vorliegenden Studien nicht hilft, sondern eher
eine Gefahr darstellt, sind Hormontherapien und andere teure
Wundermittel. Der Grundgedanke der medizinischen Wunderkuren
ist folgender: Im Alter nimmt die körpereigene Produktion
einer Reihe von Hormonen, die wichtige Körperfunktionen
regulieren, ab. Dazu gehören Wachstumshormone, das
Geschlechtshormon Dehydroepiandrosteron (DHEA) oder Melatonin,
das den Hell-Dunkel-Rhythmus zwischen Außenwelt und
innerer Uhr vermittelt. Würde man soviel Hormone spritzen,
wie junge Menschen von Natur aus produzieren, müßten
auch die Körperfunktionen wieder jung werden.
Dahinter verbirgt sich möglicherweise ein gefährlicher
Trugschluß. Genauso gut kann es sein, daß die
Verringerung der Hormone von Natur aus der Veränderung
der Körperfunktionen im Alter angepaßt ist. Sie
bringen weniger Leistung als in der Jugend, arbeiten aber
oft effektiver. Puscht man sie künstlich hoch, wird
der Körper überlastet und seine Alterung beschleunigt
sich. Studien, zum Beispiel zum DHEA, das eine Zeitlang
als Hormon der ewigen Jugend angepriesen wurde, belegen
jedenfalls keine Wirksamkeit im Sinne einer Verjüngung.
Die Hormongaben ähneln eher einem Doping als einer
echten Erneuerung. Langzeitstudien fehlen bisher.
Hier finden Sie unsere ersten beiden Beiträge zum
Thema "innere Uhr":
Die
biologische Uhr (I) Der
Rhythmus unseres Lebens
Die biologische Uhr (II)
Wer nach ihrem Rhythmus
lebt, lebt gesünder
sowie aus unserer ersten Ausgabe:
Luxusgut
Zeit
oder: Time is Money anno 1998