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- Erschütternde Ereignisse
und seelische Schocks hat fast jeder in
seinem Leben durchgemacht Männer
wie Frauen. Ob jemand schwarz sieht oder
im Innersten eine unerschütterliche
Fröhlichkeit bewahrt, hängt aber
weniger von der Art der tatsächlichen
Erlebnisse ab, sondern davon, wie er sie
seelisch verarbeitet. Jeder kennt Leute,
die trotz wiederholter Schicksalschläge
Mut und Zuversicht bewahrt haben
sowie Zeitgenossen, die bereits am
Jammern sind, wenn die beste Freundin
eine Woche nicht angerufen hat.
- Frauen sollen und wollen
zunehmend ein Leben führen, wie es vor
einigen Jahrzehnten ausschließlich
Männern vorbehalten war. Sie sind aber
durch ihre Erziehung nur unzureichend
darauf vorbereitet worden. Viele träumen
heimlich von einer blendenden Laufbahn
als erfolgreiche Karrierefrau und
zugleich von einem Märchenprinzen, der
sie vor dem Unbill der Welt beschützt.
Die Folge: Sie geben zu schnell auf,
jammern, wenn etwas nicht klappt,
reagieren auf Schwierigkeiten mit
Depressionen, Rachegedanken, Angst oder
stopfen Beruhigungsmittel in sich hinein.
(Medikamentenmißbrauch kommt
überwiegend bei Frauen vor.) Sie igeln
sich in einer Opferrolle ein, statt
aktive Schritte zur Veränderung zu
unternehmen.
- Dagegen helfen
Selbstberkenntnis und entschlossene
praktische Veränderungen. Erfolgreiche
Frauen halten sich nicht mit Klagen über
ungünstige Umstände auf, sondern sehen
sie als zu bewältigende
Herausforderungen an.
- Folgende Psycho-Fallen
hindern Frauen am häufigsten, über den
eigenen Schatten zu springen:
- Das
Dornröschen-Syndrom: Sie ist als
Single tüchtig, hat ihr Leben im Griff,
alle Welt lobt sie als starke,
unabhängige Frau. Niemand weiß, daß
ihr die Decke auf den Kopf fällt, sobald
sie zu Haus die Tür hinter sich zu
macht. Denn eigentlich wartet sie auf den
Mann, der sie aus der Karriere-Hektik
erlöst. Sie redet sich und ihren
Freundinnen ein, daß sie auch im Falle
einer Heirat niemals ihren Beruf
vernachlässigen wird. Aber wenn da einer
käme, der sie wachküßt, der ihr
Wohlstand, Haus und eine gesicherte
Position als Gattin einer wichtigen
Führungskraft zu Füßen legt ...
Folglich sieht sie ihr jetziges Leben
nicht als Erfüllung, sondern als
Notbehelf an, und wartet auf den Tag, da
endlich der Ersehnte durch die
Dornenhecke steigt.
- Das
Schneewittchen-Syndrom: Eigentlich
das ist völlig klar kommt
es ja auf die inneren Werte an, dennoch
quält sie sich mit Diäten, prüft
täglich ihre Oberschenkel auf Anzeichen
von Orangenhaut, kauft jede
Neuankündigung der Kosmetikindustrie,
die angeblich mühelos makellose
Schönheit garantiert. Die Überzeugung,
daß eine Frau nur soviel wert ist wie
ihre Schönheit, hält trotz aller
vernünftiger Gegenargumente unausrottbar
ihr Innerstes gefangen. Sie erinnert sich
an das Kindermärchen: wer tausend Mal
schöner ist als die schöne Königin,
wird zwar beneidet, bedroht und erfolgt,
aber auch geliebt und am Ende erlöst.
Bis dahin muß sie aber leiden.
Äußerlich, indem sie sich für die
perfekte Schönheit abquält, innerlich,
weil sie sie nie erreichen wird. Manchmal
behauptet sie trotzig, sie pfeife auf
jeden, der sie nach ihrem Äußeren
beurteile, aber sofort hebt sich ihre
Laune, wenn man ihr ein Kompliment für
ihre schlanke Linie oder ihre tolle
Frisur macht.
- Das
Aschenputtel-Syndrom:
Bescheidenheit ist eine Zier, doch
weiter kommt man ohne ihr. Dieser
schiefe Kinderreim hat keine Chance gegen
die verinnerlichte Überzeugung, daß
eine kluge Frau sich nicht in den
Vordergrund schiebt, sondern aus der
Deckung ihre Fäden zieht. Daß Frauen
oft jahrelang auf unteren
Karrierepositionen verkümmern, hat auch
damit zu tun, daß sie es vermeiden,
ausdrücklich auf ihre Qualitäten
aufmerksam zu machen. Weitaus häufiger
als Männer bauen sie darauf, daß ihre
Vorgesetzten selbst entdecken werden,
welche Perle unerkannt in ihrer Nähe
schuftet. Aber überlegen Sie selbst:
Würden Sie als Chef eine so tüchtige
Kraft aus Ihrer Abteilung wegloben? Wer
Karriere macht, ist auch manchmal
unbequem und sorgt dafür, daß sich
seine Qualitäten auch außerhalb seiner
Abteilung herumsprechen. Vor allem nimmt
er nicht hin, daß der Chef sich ständig
mit Leistungen brüstet, die er nicht
selbst vollbracht hat.
- Das Superweib-Syndrom:
Beruf, Haushalt, Kinder, Mann, alles will
sie perfekt managen. Jedes kleine
Mißgeschick ist eine mittlere
Katastrophe und löst grundlegende
Selbstzweifel aus. Nach außen hin
freilich wirkt sie jederzeit vollkommen.
Niemand weiß, daß sie die Fassade nur
unter Mühen aufrechterhält. Hinter
jeder Unvollkommenheit des Lebens lauert
der Auslöser einer tiefen Depression.
Hier hilft nur eins: Die Meßlatte
deutlich tiefer hängen. Prioritäten
setzen: Ein, zwei Dinge sind wirklich
wichtig, alles übrige darf auch mal
vernachlässigt werden. Fehler sind
grundsätzlich erlaubt. Sie sind kein
Vergehen, sondern eine Chance
dazuzulernen.
- Das Kassandra-Syndrom:
Kassandra, die Tochter des trojanischen
Königs Priamos, konnte zukünftige
Katastrophen voraussehen, aber niemand
glaubte ihr. Moderne Frauen versuchen,
ihre Gesprächspartner durch stundenlange
Diskussionen von ihrer negativen
Weltsicht zu überzeugen. Tausende
Beziehungen sind schon auf diese Weise
zerredet worden, wo es sinnvoller gewesen
wäre, einige entschlossene
Veränderungen im Alltag durchzusetzen.
In der Tat machen sich viele Frauen mit
Schwarzsehen und eklatantem Mangel an
Humor das Leben schwer. Im Innersten
wissen sie es selbst: deswegen haben
Männer mit Humor, die sie unverkrampft
zum Lachen bringen können, beste Chancen
bei ihnen. Wie in dem Märchen von der
goldenen Gans. Die Prinzessin konnte
nicht lachen. Erst als der Dummling mit
der goldenen Gans, an der eine
Menschenschar festgeklebt war,
auftauchte, brach sie in Gelächter aus.
Prompt erhielt er sie zur Frau und das
halbe Königreich dazu.
- Das Caritas-Syndrom:
Anderen beistehen, durch Anteilnahme
Anerkennung und Dankbarkeit erlangen
das Bild von der sich aufopfernden
Krankenschwester prägte das Frauenideal
vieler Jahrhunderte. Die Folge: Die
Frauen opferten sich für die
Bedürfnisse anderer auf und vergaßen
sich selbst. Mütter lebten nur für ihre
Kinder, damit sie es einmal besser haben
sollten. Die lebten wieder für ihre
Kinder ... unsere Generation sollte es
endlich schaffen, für sich selbst zu
leben! Wer anderen seine
Hilfsbereitschaft aufdrängt, wird bald
feststellen, daß seine Anteilnahme
lästig fällt. Beleidigter Rückzug und
Schimpfen über den Undank findet man vor
allem bei älteren Frauen, die hoffen,
mit Selbstlosigkeit eine
Versicherungspolice gegen ein einsames
Alter zu erwerben. Genau das Gegenteil
ist richtig. Nur wer sich mit einer
gesunden Portion Egoismus ein eigenes,
erfülltes Dasein aufbaut, wird sich
nicht verlassen fühlen.
- Unser Lese-Tip:
- Laura C. Schlessinger: 10
Dummheiten, mit denen Frauen sich das
Leben schwer machen. Goldmann Verlag. DM
14,90.
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