Im Jahre 490 vor unserer Zeitrechnung war Marathon (griech.:
"Fenchelfeld") ein kleines Städtchen an der nördlichen Ostküste
Attikas. In der vorgelagerten Ebene besiegte das athenische Heer unter
Miltiades im Nahkampf die überlegenen Perser und rettete damit
die Freiheit der Griechen und die Blüte der antiken Kultur. Daß
ein Läufer im Eiltempo die über 40 Kilometer lange Strecke
nach Athen bewältigte, auf dem Marktplatz die Siegesbotschaft verkündete
und anschließend tot zusammenbrach, ist eine schöne Legende,
aber nach heutigem Wissen leider nicht wahr.
Daß die Geschichte zumindest gut erfunden ist,
beweisen die Tausende von Läufern, die seit über hundert Jahren
Jahr für Jahr in aller Welt die legendäre Strecke absolvieren
- gelegentliche Todesfälle inklusive. Populärstes Opfer war
1986 der amerikanische Sportjournalist James F. Fixx, der mehr als zehn
Jahre unermüdlich für Joggen und Marathonlauf Reklame machte
und schließlich während beim Rennen einen tödlichen
Infarkt erlitt. Die Statistik beweist allerdings, daß der Freizeitlauf
weitaus mehr Menschen das Leben gerettet hat und sie vor den Gesundheitsrisiken
aller Zivilisationskrankheiten wie Infarkt, Krebs, Diabetes oder Schlaganfall
schützte. Eine gründliche ärztliche Untersuchung kann
heute mit hoher Sicherheit im Vorfeld ermitteln, ob für Sie der
Freizeitsport das Risiko eines Herzversagens beinhaltet. Insbesondere
streßgeplagte Männer über 45 (dazu gehörte auch
James Fixx) sollten die regelmäßigen, kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen
in Anspruch nehmen, wenn Sie sich einem intensiven Training unterziehen
wollen.
EGONet gab in der Sommerausgabe des letzten Jahres Fitnesstips
für Anfänger. (Der Artikel steht nicht mehr im Netz, kann
aber über Email kostenlos bei uns angefordert werden.) Nehmen wir
an, Sie schaffen es, dreimal in Woche je zwanzig Minuten zu joggen -
eine Leistung, die die meisten nach vier bis sechs Wochen erreichen
- wie lange müßten Sie trainieren, um einen Marathon durchzustehen?
Fünf Jahre? Zehn Jahre?
Mitte der achtziger Jahre stellten französische
Sportwissenschaftler ein Trainingsprogramm für Freizeitsportler
vor, daß einen solchen Leistungszuwachs in einem halben Jahr ermöglicht.
Sechs Monate Training, weniger als eine Stunde an fünf bis sechs
Tagen in der Woche bringen Sie ans Ziel. Folgende Überlegungen
liegen einem solchen Übungsprogramm zugrunde:
Was leistungsstarke Läufer durchschnittlichen Bewegungsmuffel
unterscheidet, ist nicht allein das Durchhaltevermögen, sondern
vor allem die Fähigkeit, den durch die Atmung aufgenommenen Luiftsauerstoff
maximal auszunutzen. Die Muskeln verarbeiten nur einen Teil des Atmungsgases,
das ihnen über die Blutbahn zugeführt wird. Bei Untrainierten
ist diese Menge sehr gering. Die Folge: die Muskeln erschlaffen bei
einer Anstrengung sehr schnell. Jeder kennt den Effekt vom Liegestütz.
Die meisten Menschen können einen oder mehrere Liegestütz
ausführen - ein Zeichen, daß ihre Muskeln in der Lage sind,
das eigene Körpergewicht zu senken und zu heben. Aber in der Anzahl
der Wiederholungen scheiden sich die Leistungsstarken von den Leistungsschwachen.
Der Mangel an Sauerstoff in den Muskeln verhindert, daß genügend
energieliefernder Zucker in den Muskeln verbrannt wird - die Kraft erlischt
sehr schnell infolge Energiemangels.
Trainierte bringen es auch in höherem Alter auf
mehr als dreißig Liegestütze, weil die Muskeln effektiv und
schnell neue Energie frei setzen - dank einer effektiven Reaktion von
Sauerstoff und Zucker in den Zellen. Diese Fähigkeit ist auch notwendig,
um einen Langstreckenlauf zu bestehen, bei dem auch nach Stunden die
Beinmuskeln noch hart arbeiten müssen. Wer für den Marathon
trainiert, sollte deshalb nicht einfach Tag für Tag viele Kilometer
absolvieren. Das würde zwar das Durchhaltevermögen steigern,
nicht aber die Effektivität der Muskelarbeit.
Ein sinnvolles Training verbindet daher Ausdauerstrecken
mit Muskeltraining (im Fitnessstudio oder zu Haus) und Kurz- und Mittelstreckenläufen
im Sprinttempo. Ein ausgewogenes Programm enthält pro Woche folgende
Elemente:
1. Tag: 2 Kilometer Joggen mit 70 Prozent der maximalen
Laufgeschwindigkeit.
7 bis 10 mal 400 Meter mit maximaler Laufgeschwindigkeit, zwischen
den Einheiten einige Minuten gehen.
2 Kilometer Joggen mit 70 Prozent der maximalen Laufgeschwindigkeit.
2. Tag: 45 bis 60 Minuten Wechsel von Muskeltraining
und Stretching im Fitnessstudio oder zu Haus 20 Minuten Joggen (im
Freien oder auf dem Laufband) oder 10 bis 15 Minuten auf dem Hometrainer
3. Tag: eine Stunde Joggen, zwischendurch 3mal etwa
eine Minute sprinten
4. Tag: eine Stunde Muskeltraining und Stretching,
als Abschluß 15 Minuten auf dem Hometrainer
5. Tag: eine halbe Stunde gemächliches Joggen
(oder Walking, Radfahren, Schwimmen)
6. Tag: langer Ausdauerlauf (maximal 20 Kilometer)
- zwischendurch etwas trinken!
7. Tag: kein Training.
Das Muskeltraining sollte den ganzen Körper erfassen,
nicht nur die Beine! Also auch Schultern, Arme, Bauch und Rücken.
Durch das Fahren auf dem Hometrainer werden außerdem einige Beinmuskeln
anders beansprucht als beim Joggen, was sich günstig auf die Laufleistung
auswirkt.
Wer bisher nur gelegentlich kleine Strecke lief, wird
einige Wochen Umstellungszeit benötigen, bis er zum Beispiel am
6. Tag die 20 Kilometer bewältigen kann. Unbedingt bis eine halbe
Stunde vor dem Start ausreichend trinken- am besten eine Mischung aus
Fruchtsaft und Mineralwasser) und auch einen halben Liter Flüssigkeit
mitnehmen. Nach fünf Kilometern das erste Mal etwas davon trinken.
Nach den Untersuchungen der Sportwissenschaftler kann
jeder, der ein halbes Jahr so trainiert hat, in dreieinhalb bis vier
Stunden einen Marathon bewältigen. Während des 42-Kilometer-Laufs
6mal pro Stunde je 150 ml Zucker und ein Sechstel Liter Wasser einnehmen
gilt als optimal. Also: Wenn Sie heute mit dem Training anfangen, können
Sie noch in diesem Jahr bei einem der traditionellen Läufe im September
oder Oktober dabei sein.