Endlich mal wieder richtig
ausschlafen! Wer hat nicht schon diese Sehnsucht geäußert,
ohne Gelegenheit zu finden, seinen Vorsatz in die Tat umzusetzen.
Seien Sie froh! Denn was Schlafforscher Daniel F. Kripke
und seine Kollegen von der Universität von San Diego
(Kalifornien) in einer Befragung von über einer Million
Amerikaner herausfanden, wirft liebgewordene Vorurteile
über den Haufen.
Ihr Ergebnis: Wer länger als acht Stunden schläft,
verkürzt seine Lebenserwartung! Wer lange wach ist
und nur wenig Zeit für nächtliche Erholung in
Anspruch nimmt, verbraucht nicht etwa seine Lebensenergie
früher, sondern erfährt einen Trainingseffekt
- ähnlich wie beim Joggen. Bei acht und mehr Stunden
Schlaf pro Nacht liegt das Sterberisiko 12 Prozent höher
als bei Menschen, die nur sieben Stunden schlafen. Selbst
Leute, die nur fünf Stunden Nachtruhe finden, leben
länger als Langschläfer.
Am gesündesten lebt offenbar, wer nur sechseinhalb
bis sieben Stunden schläft. Wer kurz nach Mitternacht
ins Bett geht und früh um sechs schon wieder raus
muß, braucht kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.
Diese Schlafmenge genügt. Die neuen Erkenntnisse werfen
auch ein neues Licht auf die weitverbreitete Schlaflosigkeit.
Viele Leute versuchen, eine höhere Schlafmenge zu erzwingen,
als sie in Wahrheit brauchen. Schon länger wissen Psychologen,
daß verkürzter Schlaf Depressionen und schlechte
Stimmung vertreibt.
Daß Tabletten eher betäuben, als erholsamen
Schlaf auszulösen, ist ebenfalls schon länger
bekannt. Allison Harvey von der Universität Oxford
(England) untersuchte alternative Einschlafhilfen und fand
heraus, daß das berühmte Schäfchen-zählen
eher am Einschlafen hindert. Es ist zu banal, um ein Abschalten
von Alltagsgrübeleien zu bewirken. Besser ist es, sich
entspannende Szenen - einen Urlaubsstrand, eine Blumenwiese
oder einen gleichmäßig rauschenden Wasserfall
- möglichst bildlich vorzustellen. Solche komplexen
Szenen binden die volle Aufmerksamkeit. Ergebnis: Schlafgestörte
Patienten, die solche Bilder vor ihrem inneren Auge erzeugten,
schliefen im Schnitt 20 Minuten früher ein als Schäfchenzähler.
Aber wenigstens im Krankheitsfall hat langer Schlaf doch
wohl einen Erholungseffekt? Auch diese landläufige
Überzeugung hat sich jetzt als Legende erwiesen. Professor
Del Mar und seine Mitarbeiter von der Universität Queensland
(Australien) durchsuchten die wissenschaftliche Literatur
nach Studien über die Wirksamkeit von Bettruhe zur
Wiederherstellung der Gesundheit. Zu ihrer Überraschung
konnte bisher noch kein Arzt nachweisen, dass Liegen im
Bett Krankheiten schneller besiegt. Im Gegenteil: Bei einer
Reihe von Leiden, sogar nach chirurgischen Eingriffen, brachte
das Herumliegen mehr Schaden als Gewinn. Die Komplikationen
reichen von Wundliegen über Osteoporose (Verlust von
Knochenhärte) bis zu Infektionen wie Lungenentzündung.
Nach Meinung der Forscher ist Bettruhe vor allem eine Methode
des Hausarztes, seine Autorität durchzusetzen.
Ob Rückenleiden oder Herzinfarkt: immer mehr setzt
sich die Erkenntnis durch, daß ein sportliches Aufbauprogramm
Nutzen bringt, langes Schlafen aber schadet. Überhaupt
haben Ärzte am Schlaf viel zu viel herumtherapiert.
Das zeigt ein Vergleich von Behandlungsmethoden gegen Schlaflosigkeit.
Psychologen berichteten vor einem Jahr im Journal
of the Medical Association, daß eine bloße
Verhaltensänderung allen Tabletten und Entspannungsritualen
um ein Mehrfaches überlegen ist. In der Mehrzahl selbst
hartnäckiger Fälle genügt es, einige Wochen
lang abends immer zu gleichen Zeit ins Bett zu gehen und
morgens zeitig aufzustehen - außerdem tagsüber
auf ein Nickerchen zu verzichten - um Ein- und Durchschlafstörungen
zu beseitigen.
Eine Untersuchung von Robert Stickgold vom MIT (Massachusetts
Institute of Technology) hat jetzt gezeigt, daß es
tatsächlich möglich ist, im Schlaf zu lernen.
Wer sich auf eine Prüfung vorbereitet, und in der Nacht
nach dem Büffeln ordentlich durchschläft, erinnert
sich am nächsten Morgen an 20 Prozent mehr Lernstoff
als am Abend zuvor. Lernt man mehrere Tage vor der Prüfung
- also nicht erst auf den letzten Drücker - steigt
der Merkeffekt noch weiter. Optimal ist ein Lernen drei
Tage vorher. Wer noch mehr Tage vor der Prüfung lernt,
sollte drei Tage vor dem entscheidenden Datum eine Wiederholung
einschieben.
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