Jede Frau und jeder Mann
kann den Orgasmus erreichen - im Alleingang. Erst im Zusammenspiel
mit dem Partner treten Probleme auf: Technisches
Ungeschick oder seelische Barrieren. Meist beides zugleich.
Nerven, Blutbahnen und Geschlechtsorgane sind jedenfalls
hervorragend gerüstet für den ultimativen Kick.
Aber halt - die Lust entsteht ja in Wahrheit im Kopf. Doch
da sind Männer und Frauen gleich gut gerüstet,
wie ungarische Neurologen erst kürzlich herausfanden.
Das intensive Lusterlebnis hat in einer Region der rechten
Hirnhälfte seinen Ursprung, einem Teil des Limbischen
Systems. Ausgerechnet Epilepsiepatienten brachten die Forscher
auf die Spur. Kurz vor einem Anfall traten bei ihnen Gefühle
auf, die einem Orgasmus ähneln.
Wie die Lust erlebt wird, hängt allerdings von vielen
Faktoren ab: der Laune, dem Partner, dem Vorhandensein oder
der Abwesenheit von Sorgen und Stress, der eigenen Einstellung
zum Sex ... Nicht zuletzt spielen Erfahrungen eine Rolle.
Nicht nur mit früheren Partnern und der Selbstbefriedigung.
Sondern die Vertrautheit mit dem eigenen Körper und
der Akzeptanz geheimer seelischer Regungen.
Auch der Einfluß der Sexualkultur ist nicht zu unterschätzen.
AIDS, Mißbrauchsberichte in den Medien, aber auch
der wachsende Individualismus haben die Vorsicht wieder
größer werden lassen - nach einer Epoche der
Sorglosigkeit vom Ende der 60er bis Anfang der 80er Jahre.
Der gelungene Orgasmus braucht aber Vertrauen und Sich-gehen-lassen.
Die Furcht, die Kontrolle zu verlieren und sich dem Partner
auszuliefern, spielt für Frauen heute eine wachsende
Rolle als Hemmnis auf dem Weg zum Höhepunkt. Lebenslange
Ehen werden seltener, die Tendenz zum Lebensabschnittspartner
wächst. Die innere Vorbehalte gegen den aktuellen Partner
schließen völlige Hingabe aus.
Wie dennoch eine orgasmusförderliche Atmosphäre
entsteht, zeigt die altindische Tradition des Tantra. Sie
setzt nicht auf Spontansex, sondern geplante, ausführliche
Rituale allmählicher Luststeigerung. Seine wichtigsten
Elemente:
Männer und Frauen trainieren ihre Beckenbodenmuskulatur.
Er mit dem Ziel, seine Ejakulation zu beherrschen und hinauszuzögern.
Sie steigert ihre Empfindungsfähigkeit und wird schließlich
fähig, allein durch Reiben ihrer Vaginalmuskeln das
stillhaltende männliche Glied zur Ejakulation zu führen.
Die geschlechtliche Vereinigung dehnt sich im Tantra zu
einem stundenlangen Spiel. Am Anfang stehen Ganzkörperküsse
und Berührungen in vielfacher Variation.
Ein besonderes Bonbon ist die Yab-Yum-Position.
Beide sind im Schneidersitz einander zugewandt. Sie sitzt
dabei auf seinen Schenkeln. Mit gelegentlichen, langsamen
Beckenbewegungen kann sie seine Erektion in ihr eine Stunde
und länger aufrechterhalten. Auch der Orgasmus wird
zeitlich gedehnt. Die Meister des Tantra nutzen zusätzlich
die Technik der verlangsamten Ausatmens während des
Höhepunkts. Ob verlängerter oder multipler Orgasmus:
im Tantra alles eine Frage bewußten Hinauszögerns
und Übens.
In der westeuropäischen Tradition diskutieren wir
statt der seelischen Atmosphäre lieber die Anatomie:
Was ist besser: Klitoris- oder Vaginalorgasmus? Gibt es
den G-Punkt, und wenn ja, wo? Moderne Forschungen zeigen,
daß die alten Unterscheidungen überholt sind.
Australische Studien zeigten, daß die sichtbare Klitoris
sich nach innen bis zu 10 Zentimeter fortsetzt und mit Schwellkörpern
verbunden ist, die bis an die Vorderwand der Vagina reichen.
Vagina und Klitoris sind verbunden. Vernetzt mit empfindlichen
Nervenbahnen, läßt eine Vaginareizung auch die
Klitoris anschwellen.
Am überraschendsten ist jedoch die Erkenntnis, daß
auch Männer Probleme mit dem Lustgipfel kennen. Die
simple Formel Ejakulation gleich Orgasmus gilt
nicht mehr. Typische Männerprobleme:
Vorzeitige Ejakulation. Sorgen Nervosität, Ängste
oder Stress für vorzeitigen Samenerguß, ist alles
vorbei, bevor überhaupt Lustgefühle sich aufbauen
können.
Kein Höhepunkt-Feeling trotz normaler Ejakulation.
Seelische Barrieren und Sorgen verhindern ein Lustempfinden.
Handelt es sich nicht nur um vorübergehende, sondern
dauernde Unlust, ist eine Behandlung bei einem Sexualtherapeuten
unumgänglich.
Schmerzen bei der Ejakulation. Dahinter kann eine bakterielle
Infektion stecken. Sex nur mit Kondom! Ein Eisbeutel lindert
den ersten Schmerz. Dann ab zum Arzt.
Vorgetäuschter Orgasmus: Keine reine Frauendomäne,
wie Umfragen zeigen. 60 Prozent der Frauen haben mindestens
einmal einen Höhepunkt vorgetäuscht - aber auch
29 Prozent der Männer! Wenn er sich leidenschaftlich
aufbäumt und es ansonsten feucht zugeht,
kann er durchaus erfolgreich den fehlenden Samenerguß
verschleiern. Vor allem beim One-night-stand, wenn sie seine
üblichen Reaktionen nicht kennt.
Ob Mann oder Frau - Blockaden im Kopf sind der Hauptfeind
der Lust. Die beste Abhilfe: Nicht auf spontane Leidenschaft
warten, sondern einen Sextermin vereinbaren,
von dem alle Störfaktoren (Telefon, Termine) ferngehalten
werden. Ein ungewöhnlicher Ort oder ein origineller
Striptease geben dann der Phantasie den nötigen Anstoß
für mehr ...
In der nächsten Ausgabe:
Typisch Frau - Typisch Mann, Teil 26:
Das kannst du sowieso nicht verstehen!
Fünf typische Männer- und Frauen-Macken im Vergleich
Unsere Ego-Links sind diesmal
auch dem Thema Sex und erotik gewidmet
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