Süßstoff statt
Würfelzucker? Nicht nur im Kaffee des Menschen kommt
der kalorienfreie Zuckerersatz zum Einsatz, sondern auch
in der Schweinemast. Züchter haben festgestellt, daß
Tiere, die viel Süßstoff erhalten, zu- statt
abnehmen. Wie kommt das?
Mensch und Tier regeln ihren Blutzuckerspiegel mit Hilfe
des Insulins. Nehmen wir viel Zucker auf, schüttet
die Bauchspeicheldrüse reichlich Hormone aus, damit
es die Zuckerschwemme schnell in die Zellen weiter transportiert,
wo die Energie für Bewegung, Körpertemperatur
und andere Lebensvorgänge gebraucht wird. Das Problem:
Das Gehirn lernt am Geschmack der Nahrung zu
erkennen, ob viel oder wenig Zucker zu erwarten ist und
aktiviert die erforderliche Menge Insulin schon im voraus.
Süßstoff erzeugt falschen Alarm. Insulin schwärmt
aus, findet aber keine Arbeit vor. Schnell fährt der
Körper das Insulin zurück. Das geschieht, indem
die Bauchspeicheldrüse ein Gegenhormon ausschüttet,
das Glykagon. Den rasche Insulinabfall interpretiert das
Gehirn aber zugleich als Signal für fehlende Nahrung.
Ein nagendes Hungergefühl setzt ein. Die Heißhungerattacke
verführt den Organismus dazu, mehr Nahrung als nötig
in sich hineinzustopfen, um einem neuen Insulinabfall vorzubeugen.
Und dieses Zuviel an Nahrung landet als Fettdepot auf Bauch
und Hüften.
Diese Fehlleitung des Hungergefühls funktioniert bei
Tier und Mensch. Ähnlich wie Süßstoff wirken
eine Reihe von Nahrungsmitteln, die viel Zucker in freier
Form enthalten. In freier Form heißt: es müssen
nicht erst komplexe Kohlenhydrate (wie Stärke) vom
Körper in einzelne Zuckermoleküle aufgespalten
werden. Sondern der Zucker liegt schon fertig vor, was eine
starke Insulinausschüttung veranlaßt.
Vor fast drei Jahrzehnten bestimmte der amerikanische Forscher
Prof. Crapo eine neue Maßeinheit, den GLYkämischen
IndeX (GLYX). Er sagt aus, wie stark eine Nahrung den Blutzuckerspiegel
ansteigen läßt. Gar keine Auswirkungen auf den
Blutzucker hat ein GLYX von Null, maximal möglicher
Anstieg einen GLYX von 100. Wer abnehmen und Rückfälle
durch Heißhunger vermeiden möchte, sollte deshalb
Nahrungsmittel mit einem GLYX von unter 50 bevorzugen. Eine
Auswahl zeigt die folgende Übersicht.
GLYX:
unter 10: Mineralwasser, Tee (ungesüßt)
10-20: Salat, Blattgemüse, Pilze, Sojabohnen, Joghurt
ohne Zusätze, Erdnüsse
20-30: Grapefruit, Kirschen, Linsen, Magermilch, Nüsse,
Bitterschokolade
30-40: Fruchtsaft ohne Zuckerzusatz, Bohnen, Milchprodukte,
Roggenvollkornbrot, Haferflocken
40-50: Naturreis, Erbsen, Pumpernickel,
50-60: Nudeln, Konfitüre, Couscous,
60-70: Salzkartoffeln, Reis, Ananas, Bananen, Melone
70-80: Kekse, Weißbrot, Vollmilchschokolade, Gezuckerte
Säfte, Cracker, Honig, Zucker
80-90: Cornflakes, Pommes frites, Popcorn
über 90: Limonade, Cola, Bratkartoffeln, Bier
Einige Lebensmittel wirken daher widersprüchlich.
Ananas löst durch seinen Zucker Hungeranfälle
aus, enthält aber auch Enzyme, die hereinkommende Fette
rasch abbauen.
Besonders schädlich für die Figur ist die Kombination
von Nahrung mit hohem GLYX und hohem Fettgehalt. Der Zucker
aktiviert den Stoffwechsel. Der wiederum transportiert das
Fett schnell und effektiv zu den Fettzellen weiter, wo es
gespeichert wird. Besser: Hungerattacken mit kalorienarmer,
naturbelassener Nahrung (Rohkost, Gedünstetes) stillen.
Auf keinen Fall Hungern! Dann schaltet der Körper auf
sein Stoffwechsel-Sparprogramm um. Mit der Folge einer raschen
Gewichtszunahme, sobald Sie wieder normal essen (Jo-jo-Effekt).
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