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Unser Titelthema
Gelassenheit
Wie Sie stets Herr der Lage bleiben

Ausgabe März 2002/ 5. Jahrgang

 

Nur die Ruhe bewahren! Wie oft sprechen wir diese Aufforderung aus und wie selten gelingt es uns, sie zu befolgen. Hektik, Druck und unfreundliche Zeitgenossen schaffen es immer wieder, uns auf die Palme zu treiben. Doch mit einigen Tricks können wir uns davor schützen, im unpassenden Moment auszurasten. EGO-Net verrät, wie

 

Behalten Sie ein fröhliches Lächeln auf den Lippen, wenn Sie in einem endlosen Stau stecken? Bleiben Sie cool, wenn Ihnen der jüngste Sprößlings Ihres Besuchs ein Kaugummi auf Ihr neues Designerkleid pappt? Und deren Vater durch heftiges Gestikulieren Ihnen Ihre Kaffeetasse in Ihren Schoß kippt? Kann Sie auch eine Serie von Mißgeschicken nicht aus der Ruhe bringen? Glückwunsch! Aber wozu lesen Sie dann diesen Artikel?

Doch wahrscheinlich gehören Sie wie wir Autoren zu der übergroßen Mehrheit, deren Geduld Grenzen hat. In der Theorie wissen wir alle, daß Gemütsruhe ein lobenswerter Charakterzug ist. Wer gelassen reagiert

  • lebt gesünder
  • schont seine Nerven
  • läßt sich vom Stress nicht unterkriegen
  • ist unabhängiger vom Tun und Lassen anderer.

In der Praxis freilich handeln wir gegen die bessere Einsicht:
Wir beißen uns auf die Lippen, schauen dauernd auf die Uhr und fluchen vor uns hin, wenn der Abflug unserer Maschine schon zum dritten Mal um eine weitere halbe Stunde verschoben wird.
Wir nehmen den Ärger aus dem Büro mit nach Hause und brüllen aus heiterem Himmel unser Kind an, weil es die Nase hochzieht statt zum Taschentuch zu greifen.
Mit einem Menschen, der uns betrogen und/oder schnöde verlassen hat, führen wir in Gedanken stundenlange Auseinandersetzungen.

Die Begabung zur Gelassenheit ist leider sehr unterschiedlich verteilt. Manche Menschen kann von Natur aus kaum etwas aus der Ruhe bringen. Sie besitzen ein ruhiges Temperament, das allerdings oft Gleichgültigkeit und Trägheit mit sich bringt. Agilen, ehrgeizigen und engagierten Leuten fällt Gelassenheit schwer. Sie lassen sich von Hindernissen auf ihrem Weg leicht aus der Ruhe bringen.

Wäre es nicht schön, wenn man eine aktive Lebenshaltung mit innerer Ruhe verbinden könnte? Einige Lebenskünstler beherrschen diesen Balanceakt. Nicht umsonst sagt eine Redensart: „Üben wir uns in Gelassenheit.“ In der Tat - Geduld und Abgeklärtheit lassen sich einüben.

Langsam ausatmen. Wenn sich in unserem Innern Hektik und Ärger ausbreiten, beschleunigen sich Atem und Puls. Wir fangen an, schnell und flach zu atmen. Es gilt aber auch das Umgekehrte. Wenn wir langsamer atmen, verlangsamt sich auch der Puls - zwischen Atem und Puls stellt sich immer wieder ein Verhältnis von etwa 1 zu 4 ein - und die Anspannung lockert sich. Der Trick dabei: Auf das Ausatmen achten. Tiefes Einatmen interpretiert Ihr Unterbewußtsein als Luftholen, um mit dem Ärger herauszuplatzen. Bei langsamem Ausatmen hingegen verliert der Ärger an Umfang - ähnlich einem aufgeblasenen Luftballon, der plötzlich geöffnet wird. Also beim nächsten Stress zwanzig Sekunden lang in einem Zug Luft ablassen.

Innerer Abstand. Bei Ärger neigen wir dazu, unser Blickfeld zu verengen. Wir lassen uns von der Situation vereinnahmen. Das Problem erscheint uns riesig. Versuchen Sie, innerlich einen Schritt zurückzutreten. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie würden sich selbst als Zuschauer auf einer Theaterbühne beobachten. Würden Sie Ihren Streit mit dem Chef oder dem Partner dann immer noch so ernst nehmen? Oder der Stau, in dem Sie gerade stecken. Wenn Sie beim nächsten Weihnachtsfest davon erzählen - ist er dann noch mehr als eine unbedeutende Episode?

Paniktest. Fragen Sie sich: Was kann schlimmstenfalls passieren? Wenn Sie im Stau übernachten müßten, Ihr Chef Ihnen fristlos kündigt, Sie zu spät zum gemeinsamen Theaterabend kommen und erst in der Pause eingelassen werden - das wäre ärgerlich, aber bräche deshalb die Welt zusammen? Malen Sie sich aus, wie Sie diese Maximalkatastrophen managen würden. Dagegen ist doch Ihr tatsächlicher Ärger eher eine Bagatelle, oder?

Betroffenheitsfrage. Betrachten Sie das Problem, das Ihnen die Ruhe raubt, unter dem Aspekt der Veränderbarkeit. Können Sie es ändern oder nicht? Den unmöglichen Charakter eines Kollegen, der Ihnen auf die Nerven geht, werden sie nicht mehr ändern - Sie haben lediglich die Chance, ihn in seine Schranken zu verweisen oder auf Abstand zu halten. An dem Stau, in dem Sie stecken, können Sie nichts ändern - Sie haben jedoch die Freiheit, diese Zeit so angenehm wie möglich zu nützen. Nehmen Sie ein spannendes Buch mit, damit Sie gerüstet sind, wenn das nächste Mal der Verkehr zusammenbricht. Ärger entsteht aus Ohnmachtsgefühlen. Wenn Sie sich auf die Dinge konzentrieren, die Sie beeinflussen können, kehrt die Gelassenheit zurück.

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