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Ausgabe 03/2001
Liebeskummer
Wunden auf der Seele

Er geht fremd. Sie packt ihre Koffer und verschwindet. Nicht nur der Verlust des Partners, sondern auch die erlittene Kränkung und die Hoffnung, er/sie möge es sich noch einmal überlegen, martern unsere Gefühlswelt. Das Wichtigste über den besten Umgang mit enttäuschter Liebe erfahren Sie bei EGO-Net.

 
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Liebeskummer
Wunden auf der Seele
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Immer öfter und schneller trennen wir uns in unserer schnellebigen Zeit. Beinahe jeder muß mehrmals im Leben erfahren, daß Beziehungen scheitern, Menschen mit einem Mal nicht mehr länger an unserer Seite stehen wollen, uns enttäuschen, betrügen oder einfach nicht mehr beachten. Jährlich trennen sich in Deutschland rund zweihunderttausend Ehepaare und doppelt soviel unverheiratet zusammenlebende Paare. Auf der Liste der schlimmsten Streßfaktoren rangiert das emotionale Leid infolge Trennung auf Platz zwei (nur noch übertroffen vom Tod des Lebenspartners).

Trauer wegen Tod wird allgemein als Grund für schweren Kummer akzeptiert. Über Liebeskummer gehen Freunde hingegen oft mit Schulterklopfen und Sprüchen wie "Er war es sowieso nicht wert" oder "Andere Mütter haben auch schöne Töchter" hinweg. Der Psychologe Martin Weiser fand bei einer Befragung von über hundert Betroffenen heraus, daß der Trend dahin geht, den Kummer zu unterdrücken und zu verharmlosen. Genau der falsche Weg. Dadurch verlängert sich die Leidenszeit.

Liebeskummer gilt vielfach noch als typisch weibliche Domäne. Das liegt daran, daß über 90 Prozent der Frauen über ihren Kummer reden - im Gegensatz zu nur 30 Prozent der Männer. Da aber 80 Prozent aller Trennungen von Frauen ausgehen, sind die Männer weitaus öfter die Verlassenen.

Ein Rezept gegen Trennungsschmerz gibt es nicht. Er ist der Preis, den wir für die himmelhochjauchzenden Freuden des Liebesrausches bezahlen müssen. Und für die Chance, selbst entscheiden zu dürfen, in wen wir uns verlieben und mit wem wir uns zusammentun. Besonders das Zerbrechen der ersten Liebe erschüttert das Selbstwertgefühl in nachhaltiger Weise. Auch später leiden wir noch - aber frühere Erfahrungen mit ähnlichem Leid statten uns nach und nach mit Bewältigungsstrategien aus. Und der Erfahrung, daß die Zeit zwar nicht alle Wunden heilt, aber einen seelischen Abstand schafft.

Auch wenn jeder Verlust einzigartig ist, verläuft die Bewältigung des Verlustgefühls in fünf typischen Phasen ab:

  1. Nicht-wahr-haben-wollen: Panik und Hoffnung auf Rückkehr wechseln einander ab. Beruht vielleicht alles auf einem Mißverständnis?
  2. Chaos: Das Scheitern der Liebe ist jetzt offenbar. Schmerz, Sehnsucht, Wut, Angst vor der Einsamkeit und das Gefühl, versagt zu haben, wirbeln durcheinander. Abwechseln wird der (nun ehemalige) Partner beschimpft und dann wieder die Schuld bei sich selbst gesucht.
  3. Selbstmitleid: Das Chaos beruhigt sich, eine depressive Stimmung herrscht vor. Die meisten versuchen in dieser Zeit, sich abzulenken.
  4. Neuorientierung: Allmählich gewinnt man etwas Abstand. Die Schuld am Scheitern wird nicht mehr ausschließlich dem andern oder sich selbst zugemessen, sondern beiden. Zugleich beginnt die Suche nach neuen Lebensinhalten.
  5. Zustimmung: Das Geschehene schmerzt noch, wird aber als Teil des eigenen Lebens akzeptiert. Man beschließt, sein Leben zu ändern und aus den Fehlern zu lernen. Hoffentlich gelingt es!

Häufig verschlimmert sich der Liebeskummer durch Gemeinheiten, die ehemals Verliebte einander besonders in den ersten beiden Phasen antun. Um von den eigenen Schuldgefühlen abzulenken und sich nun, da die gegenseitigen Verpflichtungen hinfällig sind, für Dinge zu rächen, die man einst der Beziehung zuliebe hinuntergeschluckt hat, schlagen die beiden aufeinander ein - im wörtlichen oder übertragenen Sinne. Scheidungsanwälte und -richter können ein Lied davon singen.

Relativ harmlos - wenn auch äußerst ärgerlich - ist es, den andern dauernd anzurufen, gemeinsame Freunde um Vermittlung anzuflehen oder mit Selsbtmord zu drohen. Schlimmer wird es, wenn üble Verleumdungen ausgestreut, (noch) gemeinsame Besitztümer beiseite geschafft oder Besuchsverbote für das gemeinsame Kind als Waffe eingesetzt werden. Der mieseste Trick - eine Neuerung der neunziger Jahre: den Partner des sexuellen Mißbrauchs am Kind zu beschuldigen. Oft im guten Glauben aufgrund des Schlusses: Wer mit so etwas antut, wird auch vor dem Kind nicht halt machen.

All diese Taten zeigen nur eins: wie stark der Rächer noch von dem andern abhängig ist. Jede Bosheit bestätigt den andern nur in seiner (bisher vielleicht unsicheren) Überzeugung, daß es richtig war, ihn zu verlassen. Viel wirkungsvoller ist es daher, seinen Gefühlsaufruhr vor der Person zu verbergen, die Ursache des Kummers ist. So zeigen Sie, daß Sie über Persönlichkeitsstärke verfügen und es ein Fehler war, jemanden, der so viel innere Kraft hat wie Sie, einfach in die Wüste zu schicken.

Dies sind die besten Methoden, um den Kummer zu bewältigen:

  • Während Trauerphase 1 und 2: Sich ausheulen, am besten vor guten Freunden. Das erleichtert. Alles, was an die vergangene Liebe erinnert, sofort beseitigen oder wenigstens wegschließen.
  • Während Trauerphase 3: Sich ablenken. Am besten durch Arbeit. Verfolgen Sie ein berufliches Ziel, wenn es sein muß, durch Überstunden und auch am Wochenende - aber nicht länger als acht Wochen am Stück. Das bringt sie aus dem Grübeln heraus und schafft Erfolgserlebnisse.
  • Während Trauerphase 4: Treiben Sie Ausdauersport. Er setzt Glückshormone frei. Versuchen Sie, positive Seiten an der Trennung zu sehen (am besten aufschreiben): Ausbruch aus Routine, neue Lebensinhalte realisieren usw. Schmieden Sie Pläne. Was werden Sie tun, was Sie schon immer gern mal tun wollten?
  • Während Trauerphase 5: Reaktivieren Sie alte Kontakte und suchen Sie neue Bekanntschaften. Auch Flirten ist wieder drin, aber erwarten Sie nicht sofort eine neue große Liebe. Wer mit sich eine Weile allein klar kommt, wirkt attraktiver als Leute, die allein hilflos und deprimiert sind.

Wie lange hält ein Liebeskummer an? Dafür gibt es keine allgemein verbindliche Antwort. Wer so tut, als sei nach einer Woche alles vergessen, belügt sich selbst. Wie lange es wirklich dauert, hängt vor allem von der Dauer der zerbrochenen Beziehung ab. Nach fünf und mehr Jahren des Zusammenlebens wirken die Folgen einer Trennung bei Frauen im Schnitt zweieinhalb Jahre nach, bei Männer eineinhalb Jahre.2001, ISBN 3-499-60847-2, DM 16,90.

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