Vor Jahrhunderten galt der Name als
Abstammungsnachweis. Der Familienname sorgte für
Erhaltung der Ahnenreihe, der älteste Sohn erhielt
als Rufnamen den Namen des Vaters oder Großvaters
der männlichen Linie, als weitere Vornamen die Namen
vermögender Paten.
Obwohl dieses Motiv für die
meisten kaum noch eine Rolle spielt, ist die
Namensgebung immer noch ein wichtiger Akt, der die
Eltern mit hohem Verantwortungsbewußtsein erfüllt.
Kaum ist die werdende Mutter vom Frauenarzt zurück
und hat Angehörigen und Freundinnen die frohe
Nachricht von ihrer Schwangerschaft verkündet, hört
sie auch schon die Frage: "Wie wollt ihr es
nennen?"
In der Tat ist der Name ein erster
Ausweis, der dem neuen Erdenbürger ausgestellt wird.
Heute drückt der Name vor allem die Vorstellungen
der Eltern aus, was aus ihrem Baby werden soll.
Häufig werden die Namen nach prominenten Vorbildern
gewählt ein Zeichen, daß das Kind einmal
einen ähnlichen Erfolg erringen soll. Unter den
fünf- bis zehnjährigen Jungs haben beispielsweise
die Kevins inflationär zugenommen aber
wahrscheinlich wären die Eltern ziemlich entsetzt,
wenn der Junge im Vorschulalter allein auf
Verbrecherjagd gehen würde. Eher an eine
Sportlerkarriere denkt man bei Boris, an Ballett- und
Schauspielambitionen bei Winona oder Michelle.
Konflikte sind vorprogrammiert, wenn die Talente des
Kindes nicht auf den von den Eltern gewünschten
Gebieten liegen.
Klüger handeln Eltern, die bei der
Namensgebung nicht an ihre eigenen Hoffnungen,
sondern die Interessen des Kindes denken. Der
Hamburger Professor Peter Struck rät zu Vornamen mit
positiver Klangfarbe das sind Worte, die viele
a, i oder o enthalten wie Arno, Lisa oder Thilo.
Außerdem sollte er zum Familiennamen passen. Zwar
kann spätere Heirat dieses Zusammenklang durch
Änderung des Nachnamens wieder aufheben, aber in den
Kinderjahren kann eine kluge Namensgebung dem Kind
den Alltag erleichtern. Haben Sie einen häufigen
Familiennamen wie Schulz, Meier oder Müller, wählen
Sie einen selteneren Vornamen. Damit sinkt die
Gefahr, daß Ihr Kind mit Kindern gleichen Namens in
eine Klasse gehen und ständig gegen Verwechslungen
ankämpfen muß. Der Vorname sollte aber dennoch
eindeutig sein. Wenn das Kind gezwungen wird, seinen
Vornamen immer zu buchstabieren und sich trotzdem
dauernd gegen Falschschreibungen wehren muß, wird
sein Selbstwertgefühl leiden. Vorsicht deshalb vor
allen Namen, die
- leicht mit bekannteren Namen
verwechselt werden wie Susan (mit Susanne)
oder Kersten (mit Kirsten oder Kerstin)
- die das Geschlecht nicht
eindeutig erkennen lassen wie René(e) oder
Sascha, Welches Kind will noch in der
Pubertät nach Aufrufen erklären müssen, ob
es Junge oder Mädchen ist?
- Mitschüler zu Späßen Anlaß
geben wie Amaryllis, Stoffel oder Dick.
Wenn Sie häufige Allerweltsnamen
wie Michael, Sabine oder Gabi vermeiden wollen: Es
gibt eine Reihe weniger häufig vergebener Namen, die
eindeutig, kurz und in keiner Weise merkwürdig sind
wie Gerald, Sven, Anke, Denis, Jurek oder Silke. Die
Mühe lohnt sich: Studien beweisen, daß Menschen,
die mit Ihrem Namen hadern, oft auch Probleme haben,
sich mit Ihrem Charakter und Ihren Lebensumständen
anzufreunden. Zwar sagt der Name zunächst mehr über
die Persönlichkeit der Eltern aus, die den Namen
ausgesucht haben, als über die des Kindes, aber wir
alle identifizieren uns bereits in früher Kindheit
mit unserem Namen er wird daher zu einer
Elterlichen Prophezeiung, die sich am Kind erfüllt.
Wenn auch oft nicht so, wie die Eltern sich das
gewünscht haben. Ob jemand seinen Namen als
selbstverständlich akzeptiert, versucht, ihn zu
rechtfertigen oder gar zu verheimlichen, verrät, wie
es mit der inneren Selbstsicherheit bestellt ist.
Spätestens in festen Beziehungen
lernen wir, mit Namen kreativ umzugehen. Freunde oder
Ehepartner geben uns Kose- und Spitznamen. Drei Typen
von Spitznamen herrschen vor, die zugleich etwas
über die Motive der Namensgebung verraten.
- Babysprache: Schatzi,
Schnucki, Hasilein oder Mausi sind typisch
für längere Beziehungen. Sie sind häufig
ein Indiz der Vereinnahmung. Wer den andern
verniedlicht, verbindet zwei Motive: den
anderen anschmiegsamer, aber auch machtloser
machen.
- Verkürzungen: Von Vornamen
werden die Kurzformen gebraucht. Wolfgang
wird zu Wolf oder Wölfi, Katrin zu Kati,
Alexander zu Alex, Cornelia oder Konrad zu
Conni. Ein Zeichen für Vereinfachung, aber
auch ebenbürtige Vertrautheit.
- Ersatznamen: Manchmal wird ein
ganz anderer Name gewählt. Dafür gibt es
vor allem zwei Motive: Man wählt einen
Namen, der eine hervorstechende Eigenschaft
ausdrückt, etwa Teddy, Lulu oder Goliath.
Oder man wählt einen ganz anderen Namen,
weil der tatsächliche Vorname nicht
aufregend oder interessant genug erscheint.
Das ist das Motiv für viele Künstlernamen
(der außerdem noch dazu dient, private und
öffentliche Persönlichkeit zu
unterscheiden), aber auch Privatleute neigen
dazu: Da ist ein Hans-Joachim, der sich
Baptiste nennen läßt oder eine
Spanischdolmetscherin namens Heidelinde, die
bei ihren Freundinnen Juana heißt.
Wie wichtig Namen sind, erkennt
jeder, der bei einer Partyrunde in die Verlegenheit
kommt, sich die Namen der ihm vorgestellten übrigen
Gäste zu merken. Bei mehr als sechs neuen Gesichtern
meist ein Ding der Unmöglichkeit. Versuchen Sie aber
wenigstens, die Namen derjenigen im Kopf zu
speichern, mit denen Sie noch reden werden. Jemandem
mit seinem Namen anreden, ist der einfachste Weg,
einem Smalltalk eine persönliche Note zu verleihen.
Es genügt, den Teil des Namens zu behalten, mit dem
Sie die Leute später ansprechen also den
Vornamen, wenn Sie sich duzen, den Familiennamen,
wenn Sie sich mit Herr oder Frau X anreden.
Sich einen Namen anhören und
hoffen, daß das Gedächtnis uns nicht im Stich
lassen wird, ist zu unsicher. Nach dem fünften Namen
haben Sie den ersten bereits vergessen.
Selbstverständlich dürfen Sie später, wenn Sie das
Gespräch suchen, noch einmal nachfragen: "Ich
habe leider Ihren Namen wieder vergessen. Sie sind
Frau ...?" Fast jeder weiß aus eigener
Erfahrung, wie schwer es ist, sich neue Namen zu
merken, und sich noch einmal vorstellen. Daraus
können Sie sogar einen kleinen Plausch zum Thema
Gedächtnis und schwierige Namen entwickeln.
Einen stärkeren Eindruck
hinterlassen Sie freilich, wenn Sie einen Gast, der
sich Ihnen nur kurz vorstellte, eine Stunde später
wie selbstverständlich mit seinem Namen anreden, vor
allem dann, wenn es sich um einen wenig geläufigen
Namen handelt. Wie schaffen Sie das? Heimlich
aufschreiben, ohne daß es jemand merkt? Selbst wenn
Ihnen das gelingen sollte, woher wissen Sie dann
noch, welcher Name auf Ihrem Zettel zu welchem Gast
gehört?
Mehr Erfolg versprechen die Tricks
professioneller Gedächtniskünstler. Einer, den auch
Ungeübte sofort anwenden können: Lassen Sie den
gerade gehörten Namen noch einmal in seinem
Schriftbild vor Ihrem geistigen Auge vorüberziehen
und denken Sie sich dann ein Bild aus, das den Namen
darstellt. Bei Berufen ist das einfach: Für Müller,
Schneider oder Schuster stellen Sie sich einen Mann
mit den Insignien seines Handwerks vor, also
Mehlsack, Nadel oder Schuh. Bei unseren Namen
der EGONet-Herausgeber Klaus-Dieter Berlin und Frank
Naumann merken Sie sich im ersten Fall den
Namen der deutschen Hauptstadt. Bei Naumann wird
etwas schwieriger. Wenn Sie wissen, was eine Naue ist
(ein Last- oder Fährschiff), denken Sie an einen
Mann auf solch einem Schiff. Wenn nicht, nehmen Sie
einen Mann, auf dessen T-Shirt das englische Wort
"now" (jetzt) steht. Solche Bilder merkt
man sich sehr leicht und dauerhaft.
Zu einem Teil der Namen wird Ihnen
kein Bild einfallen, insbesondere bei ausländischer
Herkunft. Ist der Name kompliziert, lassen Sie sich
ihn buchstabieren und wiederholen Sie ihn, um zu
prüfen, daß Sie ihn jetzt richtig verstanden haben.
Ihr Bemühen wird nicht nur als Zeichen von Interesse
Anerkennung finden, sondern das Zerlegen und
Wiederholen erleichtert Ihnen auch das Einprägen.
Ist der Name lediglich selten oder in anderer Weise
ungewöhnlich, erkundigen Sie sich bei seinem Inhaber
nach seiner sprachlichen Herkunft und Bedeutung. Auch
das hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge.
Vornamen merkt man sich am
einfachsten, wenn Sie sich den Gast zusammen mit
einem oder einer Bekannten gleichen Namens
vorstellen. Es können auch Schauspieler oder andere
Prominente sein. Kennen Sie keine andere Person, die
so heißt, legen Sie ihr in Gedanken eine breite
Halskette um, auf der mit Flammenschrift der Vorname
steht, und versuchen sich, dieses Bild einzuprägen.