Niemand weiß, wann und wo Kaffee
zum ersten Mal angebaut wurde. Wahrscheinlich stammen
die ersten Kulturen aus dem Arabien des siebten
Jahrhunderts, nicht weit vom Roten Meer. Auch die
Herkunft des Namens ist umstritten. Die einen
vermuten, daß der Name von der arabischen Provinz
Kaffa stammt, aus der die Kaffeepflanze nach 1500 in
das Zentrum der islamischen Kultur, nach Mekka
gelangte und sich zum typischen Getränk der Araber
entwickelte. Dort erhielt das schwarze Gebräu den
Namen "Qahwa", der eigentlich
"Wein" bedeutet ein weiterer
möglicher Ursprung unseres Wortes
"Kaffee". Klarer ist, woher das Wort
"Mokka" stammt, der Name einer
kleinbohnigen Kaffeesorte und zugleich der typisch
türkischen Zubereitungsart, bei der fein gemahlener
Kaffee in kaltem Wasser angesetzt und aufgekocht
wird. "Mokka" ist eine Hafenstadt in Jemen,
wohin der Kaffee um 1540 gelangte. Zu jener Zeit
begann man den Kaffee, der auch in Arabien bisher nur
in geringen Mengen erzeugt wurde, in Jemen in
größerem Maßstab anzubauen. Über verschiedene
Handelswege gelangte das Getränk von dort nach
Europa, vor allem nach Venedig, dem europäischen Tor
zum Orient, wo 1645 das erste europäische Kaffeehaus
seine Pforten öffnete.
Als die türkischen Herrscher 1683
letztmalig versuchten, die Stadt Wien zu belagern und
zu erobern, ließen sie nach ihrer Niederlage durch
das österreichisch-deutsch-polnische Befreiungsheer
einige Säcke mit Kaffeebohnen zurück und
seitdem bilden Wien und der Kaffee eine unlösbare
kulturelle Einheit. Daß sich in England der Kaffee
nicht durchsetzen konnte, ist einem seltsamen Irrtum
zu verdanken. Ursprünglich öffneten auch dort wie
im übrigen Europa Ende des 17. Jahrhunderts eine
Reihe von Kaffeehäusern ihre Pforten. Als die
Männer aber anfingen, statt zu Hause nach dem
Rechten zu sehen, ihren Abende in den neuen
Etablissements zu verbringen, in denen Frauen
praktisch ausgeschlossen waren, verbreiteten einige
einflußreiche Autorinnen in Zeitschriften die
Ansicht, der Kaffee schwäche die Manneskraft.
Offenbar war diese Behauptung erfolgreich. Die
Männer kehrten sehr bald zum Tee, den die Engländer
relativ preiswert aus ihren Kolonien bezogen,
zurück.
Im übrigen Europa setzte sich der
Kaffee durch. Wegen des rasch steigenden Bedarfs
begannen die Holländer mit dem Kaffeeanbau in ihren
Kolonien. 1714 brachten französische Pflanzer den
ersten Kaffeebaum auf die Insel Martinique in der
Karibik, von wo aus sich der Anbau über Mittel- und
Südamerika ausbreitete. Heute stammen zwei Drittel
der Weltkaffeeernte aus dieser Region. Ähnlich wie
heute beim Erdöl schlossen sich noch vor dem 2.
Weltkrieg die Erzeugerländer zu einem Verbund
zusammen, der Exportquoten für die beteiligten
Länder festlegte, um so Mindestpreise auf dem
Weltmarkt zu sichern. Diese Abkommen wurde mehrmals
erneuert, aber 1989 weigerten sich einige
Teilnehmerstaaten, ein neues Abkommen zu
unterzeichnen. Seitdem ist das System der
Exportquoten aufgehoben. Die Folge war ein weltweiter
Preissturz.
Die drei wichtigsten
Erzeugerländer sind:
- Brasilien (über 1 200 000
Tonnen Jahresproduktion)
- Kolumbien (etwa 700
000 Tonnen Jahresproduktion) und
- Mexiko (rund 335 000
Tonnen Jahresproduktion).
Weitere wichtige Produzenten sind
Indonesien, Äthiopien, Uganda, Guatemala, Indien und
Vietnam mit einer Produktion von 200 000 und mehr
Tonnen im Jahr.
Der Kaffeebaum gehört zur Gruppe
der Krappgewächse, zu denen auch der
Chinarindenbaum, aus dem Chinin gewonnen wird,
gehört sowie einige bekannte Zierpflanzen wie die
Gardenia mit ihren prächtigen weißen Blüten. Vom
Kaffeebaum gibt es über dreißig Sorten, aber nur
drei werden in wirtschaftlich bedeutendem Maße
genutzt: der Arabica-, der Robusta- und der
Liberia-Kaffee. Unserem Geschmack entspricht am
ehesten der Arabica-Kaffee, der nur in tropischen
Höhen von 600 bis 1800 Metern über dem
Meeresspiegel gedeiht.
Die Kaffeepflanze
wächst als Strauch oder kleiner Baum viereinhalb bis
sechs Meter hoch. Sie trägt glänzende grüne,
eiförmige Blätter. Die weißen Blüten bestehen nur
wenige Tage lang. Danach entwickeln sich etwa ein
halbes Jahr lang die kirschenförmigen Früchte, die
in dichten Büscheln an sehr kurzen Stielen direkt
auf dem Zweig sitzen. Am Anfang sind sie hellgrün,
später hell-, dann dunkelrot. Sie enthalten zwei
Bohnen, die in süßes Fruchtfleisch eingebettet
sind. Wenn die Sträucher fünf bis sechs Jahre alt
sind, liefern sie weiter fünfzehn bis zwanzig Jahre
lang etwa ein halbes bis maximal 1,3 Kilo
Kaffeebohnen.
Nach der Ernte werden die Bohnen
entweder mechanisch oder im sogenannten
Naßverfahren durch Aufweichen aus dem
Fruchtfleisch gelöst und anschließend in der Sonne
oder in rotierenden Wärmezylindern getrocknet. Ihr
Aroma und ihren Geschmack erhalten sie beim
anschließenden Rösten. Man erhitzt die Bohnen in sich drehenden,
waagerechten Trommeln. Dabei werden sie außerdem
geschüttelt, was eine gleichmäßige Röstung
garantiert. Die Rösttemperaturen liegen zwischen
- 193 °C (leicht gerösteter Kaffee)
- 205 °C (mittelstark geröstet) und
- 218 °C (dunkel geröstet).
Anschließend
müssen die Bohnen schnell abgekühlt werden.
Als besonders
schonend gilt das Rösten im Heißluftstrom. Bei
diesem nur drei Minuten dauernden Verfahren erwacht
das Aroma beinahe schlagartig und wird durch ebenso
schlagartiges Abkühlen regelrecht in den frischen
Bohnen festgefroren.
In
Vakuumverpackungen behält gemahlener Kaffee sein
Aroma bis zu drei Jahren. An der Luft verliert er es
innerhalb einer Woche. Bei Aufbewahrung im
Kühlschrank und ohne Lichteinwirkung verlangsamt
sich dieser Verlustprozeß. Von den vielen
Zubereitungsverfahren ist die Kaffeemaschine die bei
uns weitaus einfachste und beliebteste, wenn auch
nicht die schonendste für vollen Kaffeegenuß. Das
Aroma löst sich aus dem Pulver erst nach mehreren
Minuten Einwirkung von heißem Wasser, deshalb
schmeckt der Kaffee aus der Maschine um so besser, je
mehr Tassen man durchlaufen läßt. Steht bereits
gebrühter Kaffee allerdings länger als fünf
Minuten auf der Heizplatte, beginnt der Geschmack
sich zu verschlechtern. Das Aroma verfliegt und
Bitterstoffe überlagern den Geschmack. Das Aroma
selbst nehmen wir übrigens zum größten Teil über
den Geruch war. Sie können es selbst testen: Brühen
Sie sich eine duftenden Tasse Kaffee und setzen Sie
beim Trinken eine Klammer auf die Nase. Das eben noch
aromatische Getränk schmeckt auf einmal wie
Abwaschwasser.
Kaffeekenner bei
uns und andere Länder bevorzugen oft aufwendige
Zubereitungsmethoden. Denken wir nur an den
französischen Espresso und den italienischen
Cappuccino (mit aufgeschäumkter Milch, Zimt,
Kakaopulver und einem Klecks Schlagsahne), den Wiener
Kaffee mit Sahnehäubchen, Irish Coffee mit Whisky
oder den dünnen amerikanischen Kaffee. Wer bei uns
auf sich als Kaffeetrinker etwas hält, brüht frisch
gemahlenen Kaffee in der Kanne (nicht in der Tasse!)
auf. Nach dem Umrühren muß der Kaffee etwa sieben
Minuten ziehen, bevor sich das Pulver gesetzt und
sein volles Aroma an die Flüssigkeit abgegeben hat.
Um ein Nachlassen des Geschmacks durch freiwerdende
Bitterstoffe zu verhindern, wird der Kaffee nach
diesen sieben Minuten durch ein Sieb in eine andere,
vorgewärmte Kanne umgegossen.
Vor wenigen Jahren
noch warnten bedeutende Mediziner vor dem Folgen des
Kaffeegenusses. Heute steht fest: Kaffee für sich
genommen nützt der Gesundheit. Mäßige
Kaffeetrinker erkranken seltener an Herzleiden, das
zeigte eine Studie der Universität Dundee
(Schottland). Bis drei Tassen am Tag schützen laut
einer US-Studie vor Gallensteinen. In dieser Menge
beugt Kaffee Asthma-Anfällen vor und wirkt
entspannend. Für manche Menschen, wie Patienten mit
zu niedrigem Blutdruck, wird Kaffee wegen seiner
anregenden Wirkung sogar ausdrücklich empfohlen.
Australische Wissenschaftler fanden außerdem heraus,
daß Kaffeesatz die im Trinkwasser enthaltenen
Schwermetalle wie Blei an sich bindet und somit die
Flüssigkeit reinigt.
Bei einigen
Risikogruppen (Blutrhochdruck, Magenkrankheiten) wird
der Arzt allerdings zumindest eine Einschränkung des
Kaffeegenusses empfehlen. Kaffee verstärkt einige
Zivilisationssünden in ihrer Wirkung. Dafür zwei
Beispiele:
- Die meisten
Menschen trinken zuwenig Flüssigkeit. Kaffee
(wie auch Alkohol) deckt diesen Bedarf nicht,
sondern verursacht im Gegenteil eine
zusätzliche Entwässerung des Körpers durch
Anregung der Nierentätigkeit. Für jede
Tasse Kaffee sollte ein zusätzliches Glas
Mineralwasser oder Fruchtsaft getrunken
werden.
- Die
Kombination von Nikotin und Koffein putscht
den Körper auf. Sie überdecken den
Erholungsbedarf und setzen Körper und Seele
unter eine Art Dauerstreß, den sie durch
ihre euphorisierende Wirkung überdecken. Die
anregende Wirkung läßt allerdings nach
wenigen Minuten nach und erzeugt so den
Bedarf nach mehr Kaffee und einer neuen
Zigarette, um das Stimmungshoch zu halten.
Den Genuß von bis zu vier Tassen
Kaffee am Tag braucht sich jedoch niemand ausreden zu
lassen. Wer aus gesundheitlichen Gründen vorsichtig
sein muß, greift zu einer Sorte mit vermindertem
Koffein- und Bitterstoffgehalt.