Attraktivität. Groß, jung
und schlank bis mager so lautete das
Schönheitsideal am Ende des alten Jahrhunderts. Doch
inzwischen sind diese Ideale bis ins absurde Extrem
getrieben worden. Dreizehnjährige Hopfenstangen, die
der Arzt als lebensgefährlich magersüchtig
diagnostieren würde, werden in immer schnellerem
Tempo auf den Laufstegen der Welt verheizt. Auch die
typischen Männermodels, gelackte Schönlinge, rufen
nur noch geringe Begeisterung hervor. Studien zeigen,
daß Männer und Frauen im realen Leben zunehmend
andere Schönheitsideale bevorzugen. Im den USA
rangierten gestandene Frauen wie Sophia Loren oder
Hillary Clinton kürzlich in einer Umfrage vor den
bekannten Models wie Nancy Crawford. Was in Zukunft
stärker zählen wird, sind eine individuelle
Ausstrahlung und Gefühle. Die kalten Schönheiten
verlieren an Beliebtheit. Auch künstlich
vergrößerte Busen oder maskenhaft geliftete
Gesichter gelten in Zukunft nicht mehr als
geschicktes Selbststyling, sondern als Zeichen
mangelnden Selbstbewußtseins. Zwar wird die Zahl der
Schönheitsoperationen bei Männern wie Frauen
kontinuierlich ansteigen, sie werden aber zunehmend
für unauffällige Korrekturen genutzt (von großen
Nasen bis hin zu Alterserscheinungen wie Falten und
schlaffe Haut) als für einen Umbau des Aussehens hin
zu einem Stereotyp.
Selbständigkeit. Es wird
nie mehr Zeiten ohne Arbeitslosigkeit geben, schrieb
die französische Erfolgsautorin Viviane Forrester,
die vor einigen Jahren die Tendenzen der Arbeitswelt
untersuchte. Immer mehr werden ihr Glück mit
selbständiger Beschäftigung versuchen. Die
Erfolgsaussichten sind gut. Besonders der Telearbeit
vom heimischen Computer aus werden gute Chancen
prognostiziert. Arbeitgeber sparen teure Büromieten,
und die selbständigen Arbeitskräfte können Arbeit
und Privatleben flexibel organisieren. Nach aktuellen
Umfragen will fast jede zweite Frau, aber nur jeder
dritte Mann sich in den nächsten Jahren selbständig
machen. Der Zahlenunterschied stimmt mit dem
Chancenunterschied überein. Durch die neue
Selbständigkeit werden Frauen noch stärker als
bisher mit den Männer gleichziehen. Kinderbetreuung
und Arbeiten schließen einander nicht mehr aus. In
den USA ist die Folge schon klar zu erkennen. Bereits
fast jede vierte Frau verdient mehr als ihr Mann (in
Deutschland ist es erst jede zehnte) und noch einmal
so viele bringen genauso viel wie der Gatte nach Haus
(in Deutschland knapp jede fünfte).
Singles. Zur
Jahrtausendwende leben 37 Prozent der Deutschen als
Singles. Das beweist: Obwohl laut Umfragen das
Familienideal eine Wiedergeburt erlebt, steigt die
Zahl der Alleinlebenden weiter an. Nicht mehr so
stark wie vor zehn Jahren, als die Singles im Kommen
waren, aber die Entwicklungsrichtung ist eindeutig.
Vor zehn Jahren strebten noch 90 Prozent der Frauen
eine Ehe an, jetzt sind es nur noch 70 Prozent
genauso viel wie schon seit längerem bei den
Männern. Der Münchener Familienanwalt Hermann
Messmer rechnet mit im neuen Jahrhundert mit einem
Anstieg der Scheidungsrate auf bis zu 80 Prozent. Ein
weiterer Trend, der das Singleleben fördert:
Partnerschaften (mit und ohne Trauschein) dauern
immer kürzer. Die Singlephasen zwischen den
Partnerschaften dauern immer länger. Fast jeder hat
wenigstens zeitweise Erfahrungen mit dem
Singledasein. Leute, die direkt vom Elternhaus in
eine lebenslange Ehe wechseln, bekommen
Seltenheitswert. In der Tat: Mehr als jeder Dritte
kann sich vorstellen, auch als Single glücklich zu
werden, und beinahe jede vierte Frau (bei Männern
etwas weniger) hält das Singleleben sogar für den
idealen Lebensstil. Das hat auch Auswirkungen auf die
Ehe. Zunehmend wird Selbständigkeit und
Gleichberechtigung Voraussetzung für eine gute Ehe.
Das bedeutet: nur wer allein gut zurecht kommt, kann
auch eine gute Ehe führen. Übrigens: Kinderwünsche
und Geburtenraten sind weiter im Abnehmen begriffen
keine guten Aussichten für die Renten der
Zukunft. Und wenn schon Kinder, dann perfekt
programmierter Nachwuchs. Der Evolutionsbiologe Robin
Baker vermutet, daß in 60 Jahren schon jedes zweite
Kind ohne Sex gezeugt werden wird.
Männer- und Frauenideale.
Umfragen der 90er Jahre zeigten, daß Männer wie
Frauen ein wenig schmeichelhaftes Bild vom anderen
Geschlecht zeichneten. Häufig wurden Männer als
machtgeil, zu wenig gepflegt, unsensibel und träge
beschrieben. Diese schätzten wiederum die Frauen als
anspruchsvolle Egoistinnen, streitsüchtig und zu
wenig häuslich ein. Ein Hinweis darauf, daß sich
die Ideale schneller änderten als die Wirklichkeit.
Doch die Realität holt auf. In jüngsten Umfragen
beurteilen beide Geschlechter einander wieder besser.
Männer passen sich dem Zeitgeist an, beteiligen sich
stärker an der Hausarbeit und akzeptieren
Einschränkungen zugunsten der Karriere ihrer
Partnerin. Frauen verzichten mehr und mehr auf eine
Kampfhaltung, um ihre Bedürfnisse durchzusetzen, und
bemühen sich um Gemeinsamkeit und Ausgleich der
Interessen. Ein Zurückstellen eigener Wünsche
zugunsten der Männer wird es aber kaum noch geben.
Die Angleichung von Frauen und Männern setzt sich
fort. Im Bereich der Bildung wurde er inzwischen
erreicht. Seit 1999 beenden mehr Studentinnen als
Studenten ihren Hochschulbesuch mit einem
erfolgreichen Abschluß.
Jugend und Wellness. Lange
jung bleiben und sich wohl fühlen dieses
Ideal breitet sich weiter aus. Die Medizin wird neue
Möglichkeiten der Gesunderhaltung finden. Aber ohne
bewußt gesunde Lebensführung wird es auch in
Zukunft nicht gehen. Einige Experten halten eine neue
Klassenteilung für möglich: in gebildete
Gesundheitsbewußte, die die Chancen unserer reichen
Gesellschaft bis ins hohe Alter genießen und
weniger gebildete Leute, die ungesund leben und im
Alter leiden müssen. Andere sehen einen allgemeinen
Trend der Verjüngung und wachsenden
Gesundheitsbewußtseins. Nach einer Studie des
Psychologen Richard Sennett sehen 60jährige Frauen
heute so als aus wie 50jährige Frauen vor einem
Vierteljahrhundert. Demnach wird die Lebenserwartung
weiter ansteigen. Seit kurzem nimmt der Unterschied
zwischen Frauen (80 Jahre) und Männern (knapp 74
Jahre) nicht weiter zu, sondern hat sich in den
letzten drei Jahren erstmals geringfügig verringert
ein Zeichen für die Angleichung der
Lebensverhältnisse. Frauen gehen zunehmend in
Streßberufe, Männer entdecken jungerhaltende
Lebensfaktoren (weniger Tabak und Alkohol, mehr
Sport) für sich.
In der nächsten Ausgabe:
"Typisch Frau Typisch
Mann", Teil 5:
Mann/Frau dringend gesucht!
Wie Frauen Männer und Männer
Frauen abchecken