EGO-NET.de
Ausgabe 02/2001
Das Hamster-Syndrom
Haben Sie einen Hang zum Horten?

Können Sie auch nichts wegwerfen? Sind Ihre Wohnung und Ihr Keller vollgestopft mit alten Briefen, Zeitschriften und Schuhen? Wenn nicht, sind Sie wahrscheinlich entweder sehr jung oder besitzen einen außergewöhnlichen Ordnungssinn. Für alle übrigen ist unser EGO-Net Beitrag geschrieben.

 
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Magersucht - ihre Entstehung und ihre Folgen
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Männliche Logik und weibliche Intuition
Wie verschieden die Geschlechter ihre Umwelt wahrnehmen
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Das Hamster-Syndrom
Haben Sie einen Hang zum Horten?

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Wer noch daran zweifeln sollte, daß der Mensch von Jägern und Sammlern abstammt, braucht nur mal einen Blick in die Schränke und Regale von zehn beliebig ausgewählten Bekannten zu schauen. 57 Prozent der Frauen und 45 der Männer geben zu, persönliche Altertümer zu sammeln. Wohnungsvermieter sowie die Produzenten von Schränken, Regalen und Truhen leben von ihnen. Denn es ist klar, daß die meisten von uns mit zwei Dritteln des üblichen Wohnraums auskommen würden - wenn sie sich eine Unmenge Besitztümer unterbringen müßten, die sie zwar so gut wie nie in die Hand nehmen oder gar nutzen, die sie aber niemals wegwerfen würden.

Wenn Sie einmal ausrechnen, für wieviel Quadratmeter Sie monatlich Miete zahlen, nur um solche Gegenstände aufzubewahren, werden Sie entdecken, daß Sie solche Besitztümer im Laufe der Jahre ziemlich teuer zu stehen kommen. Für nur fünf Quadratmeter zu je zehn Mark Monatsmiete sind das in zehn Jahren immerhin sechstausend Mark. Für das Geld könnten Sie ein paar Urlaubsreisen extra gönnen.

Wohlgemerkt, es geht nicht um das Sammeln von Briefmarken oder einer bestimmten Gruppe von Insekten. Sammeln als Hobby läßt sich meist von der Vernunft her gut begründen: man interessiert sich eine bestimmte Art von Objekten aus inhaltlichen Gründen oder als Wertanlage. Die Zahl der Leute, die alle Jahrgänge einer bestimmten Zeitschrift sammeln, ist sehr klein. Sehr viel mehr Menschen heben sich dagegen einzelne Ausgaben auf, weil ein oder zwei Artikel darin ihnen gut gefallen haben, weil das Titelbild sie ansprach oder weil es ihnen generell schwer fällt, etwas wegzuwerfen, wofür sie einmal Geld bezahlt haben.

Diese Art von Sammelleidenschaft wird Hamster-Syndrom genannt. Sie beginnt mit Comics aus der Kinderzeit und endet mit Riesenmengen von Plastiktüten, die man ja alle noch mal benutzen könnte. Typisch für diese Sammelwut ist ihre Wahllosigkeit. Die wichtigsten Kriterien, warum solche Dinge aufgehoben werden, sind:

sie haben einst Geld gekostet

sie besitzen noch einen Gebrauchswert

sie sind mit einer angenehmen Erinnerung verbunden.

Die meisten von uns legen irgendwann eine Aufräum- und Aussortierphase ein - meist vor einem Umzug. Trotzdem stellen sie bei jedem neuen Umzug fest, daß die Zahl der Kartons, die mit Niegebrauchtem gefüllt werden, jedesmal wächst. Wer von uns könnte schon von einem Tag zum andern einen Koffer packen, abfahren und irgendwo anders ein neues Leben beginnen? Die eigenen Besitztümer, von denen man sich nicht trennen will, stellen für viele eine stärkere Heimatbindung dar als Freunde oder Verwandte.

Meistens ist das Hamster-Syndrom harmlos. Die Dinge sammeln sich an, weil wir zu faul für gründliches Ausmisten sind. Kritisch wird es, wenn wir es nicht über das Herz bringen, unsere Schubfächer und Schränke zu entsorgen.

Wenn Sie eine solche sentimentale Haltung zu Ihren Besitztümern entdecken, sollten Sie möglichst noch heute mit einer energischen Wegwerfaktion gegensteuern. Alte Kinokarten, Poster, Briefe, Plaketten, leere Cremedosen, nicht mehr passende oder altmodische Kleidung - weg damit! Je älter wir werden, desto mehr werden diese Dinge zu einem Bestandteil unseres Ich. Wir fangen an zu glauben, ein Stück von uns selbst und unserem Leben zu vernichten, wenn wir uns von alten Besitztümern trennen. Alte Leute, die einsam sind, finden dann in ihren Besitztümern Trost in ihrem Alleinsein.

Erinnerungen existieren letztlich nur in unserem Bewußtsein. Materielle Dingen wirken dagegen wie handgreifliche Beweise, daß unser vergangenes Leben einen Sinn hatte. Wie greifbare Zeugen schöner und schlimmer Stunden. Doch dahinter steckt ein Trugschluß. Diese Dinge erhalten ihren sentimentalen Stellenwert nur dadurch, daß wir sie mit der geistigen Erinnerung verknüpfen. Für andere wirken sie nur wie wertloser Krimskrams.

Die persönliche Vergangenheit zu dokumentieren, kann sinnvoll sein - wenn Sie daraus ein systematisches Hobby entwickeln. Zum Beispiel alte Kinoplakate sammeln und Ihre Sammlung gezielt ergänzen. Alles übrige gehört dagegen in den Müll.

Auszumisten ist alles andere als leicht. Es verlangt, bewußt das Risiko einzugehen, auch etwas wegzuwerfen, was man später einmal vermißt. Das werden aber Ausnahmefälle sein. Und die meisten Dinge sind ersetzbar. Wenn Sie die Mietkosten für Ihr unsystematisches Sammelsurium bedenken, kommt das Neukaufen eines übereifrig weggeworfenen Gegenstandes billiger als alles aufzuheben, was jemals in Ihre Hände geriet.

So gehen Sie vor:

Holen Sie sich große Kartons (viele Supermärkte geben kostenlos nicht mehr gebrauchtes Verpackungsmaterial ab).

Numerieren Sie sie in unterschiedlichen Farben. Zum Beispiel rot für "Aufheben", schwarz für "wegschmeißen", grün für "verschenken" und blau für "ich bin mir unsicher".

Dann fangen Sie mit einer Schublade an, gehen dann zur zweiten über usw. Niemals überall gleichzeitig anfangen!

Wenn Sie ein Viertel Ihrer Schränke geschafft haben, überprüfen Sie, wieviel Sie bisher in welche Sorte Kartons getan haben. Sollten die blau numerierten übervoll, aber die schwarzen noch fast leer sein - legen Sie eine Pause ein und überprüfen Sie Ihre Einstellung zu Ihrer Aufräumaktion!

Wenn Sie gar nicht entscheiden können, was Sie aufheben sollen und was nicht: folgende Hilfskriterien haben sich in der Praxis bewährt:
* Habe ich es länger als ein Jahr nicht benutzt?
* Hat es einen außergewöhnlichen Wert für mich? (Darauf sollten Sie bei mindestens drei Viertel aller Objekte mit Nein antworten.)
* Besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß ich es noch mal brauche?
* Wenn es durch Einbruch oder Diebstahl verloren ginge, würde ich es ernsthaft vermissen?

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