In 70 Jahren pumpt unser Herz nach und nach 150
Millionen Liter Blut durch den Körper. Im jetzigen
Moment verfügen Sie jedoch über nur etwa sechs
Liter verteilt auf rund 100 000 Kilometer
Adern, Venen und Kapillaren. Dabei machen die feinen
Kapillaren mit weniger als einem Millimeter
Durchmesser weit über neunzig Prozent unseres
internen Streckennetzes aus. Durch sie werden auch
die entferntesten Regionen des Körpers mit Nahrung
und Sauerstoff versorgt. Die wichtigsten
Blutbestandteile sind:
Erythrozyten (rote Blutkörperchen): Sie
enthalten das Hämoglobin, ein Eiweiß mit einem
Eisenatom in der Mitte, das dem Blut seine rote Farbe
verleiht und für den Sauerstofftransport zuständig
ist. In den Lungen wird der Sauerstoff aus der
Atemluft herausgefiltert und an die roten
Blutkörperchen gebunden, die ihn durch Adern in alle
Körperteile transportieren. Sauerstoffhaltiges Blut
ist hellrot. Auf dem Rückweg transportiert es
verbrauchte Gase (Kohlendioxid) durch die Venen
zurück zur Lunge, wo es an die auszuatmende Luft
abgegeben wird. Dieses zurückfließende Blut ist
dunkelrot. Die roten Blutkörperchen sind in gesundem
Blut sehr zahlreich (42,5 Prozent des Blutes). Bei
Eisenmangel kann nicht genug Hämoglobin gebildet
werden, wodurch die Sauerstoffversorgung des Körpers
und vor allem des Gehirns gefährdet ist. Im
Normalfall werden durch das rote Knochenmark pro
Sekunde 2,5 Millionen rote Blutkörperchen neu
gebildet.
Die roten Blutkörperchen bestimmen auch die
Blutgruppen. Es haben
Blutgruppe 0 = 38 Prozent der Bevölkerung
Blutgruppe A = 42 Prozent der Bevölkerung
Blutgruppe B = 13 Prozent der Bevölkerung
Blutgruppe 0 = 7 Prozent der Bevölkerung.
Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Sie
machen nur 0,07 Prozent des Blutes aus, aber sie sind
als zentrale Polizei in unserer Immunabwehr in ihrer
Bedeutung gar nicht zu überschätzen. Sie erkennen
körperfremde Eindringlinge und vernichten sie, indem
sie sie einschließen und so neutralisieren
ein Effekt, von dem sich jeder bei einer Wunde
überzeugen kann. Der Eiter, der sich nach kurzer
Zeit bildet, ist ein Produkt aus Leukozyten und
neutralisierten Verunreinigungen, die auf diesem Weg
aus dem Körper heraus transportiert werden. Reicht
bei einem Großangriff von außen die Reinigungskraft
der weißen Blutkörperchen nicht aus, verbünden sie
sich mit den T-Helfern, die gezielt Antikörper gegen
den Angreifer produzieren.
Thrombozyten (Blutplättchen): 2,14 Prozent
des Blutes besteht aus diesen Helfern für den
Notfall. Bei einer Verletzung, sorgen sie dafür,
daß unsere sechs Liter Blut durch das Leck nicht
einfach auslaufen. Sie weben einen Verband aus
Eiweißen, der die Öffnung notdürftig verstopft,
bis die körpereigenen Reparaturmechanismen in den
Folgetagen einen neue Hautschicht bilden.
Blutplasma: Diese knapp 55 Prozent des
Blutes dienen dem Informationsfluß deshalb
ist es der flüssige Teil des Blutes, der zu über 90
Prozent aus Wasser besteht. Dazu kommen Mineralien,
Blutzucker, verschiedene körpereigene Eiweiße,
insbesondere die Hormone, die als körpereigene
Botenstoffe dafür sorgen, daß die Körperfunktionen
im Gleichgewicht bleiben. Steigt der Blutzucker durch
starke Nahrungsaufnahme über das normale Maß an,
sendet die Bauchspeichelddrüse Insulin aus und sorgt
für verstärkten Abbau des Überschusses.
Erkrankungen des Blutes ziehen wegen der zentralen
Rolle des roten Lebenssaftes für alle
Körperfunktionen meist auch andere Organe in
Mitleidenschaft und beeinträchtigen unsere
Gesundheit als Ganzes. Die wichtigsten
Blutkrankheiten sind:
1. Anämie
(Blutarmut): Entsteht durch zu wenig rote
Blutkörperchen oder zu wenig Hämoglobin in den
Blutkörperchen. Ursachen können sein: Blutverlust
oder zu starker Abbau von roten Blutkörperchen
(hämolytische Anämie). Schädigungen des roten
Knochenmark, Eisenmangel oder zu wenig Vitamin B12
sind dafür verantwortlich. Ein solcher Mangel
entsteht auch, wenn fehlerhaft Antikörper gegen die
körpereigenen roten Blutkörperchen gebildet werden.
Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die schwangere
Mutter Antikörper gegen das Blut des ungeborenen
Kindes bildet. Ursache hierfür ist eine
Unverträglichkeit von Blutfaktoren, die als
Rhesusfaktor bezeichnet werden, weil sie zuerst an
Rhesusaffen bestimmt und erfolgreich getestet wurden.
Stimmen Rhesusfaktoren des Kindes und der Mutter
nicht überein (weil das Kind den positiven
Rhesusfaktor des Vaters erbte und sie Rhesus-negativ
ist), passiert beim ersten Kind noch nichts. Doch in
etwa fünf Prozent der Fälle bildete die Mutter
während ihrer ersten Schwangerschaft Antikörper
gegen den Rhesusfaktor ihres ersten Kindes aus. Bei
weiteren Schwangerschaften werden durch diese
Antikörper die roten Blutkörperchen des werdenden
Kindes zerstört. Früher rettete man die Kinder
durch kompletten Austausch ihres Blutes gleich nach
der Geburt: Heute werden Vater und Mutter vorbeugend
auf ihren Rhesusfaktor getestet, und im Risikofall
erhält sie Gammaglobuline, Eiweißstoffe, die den
Rhesusfaktor neutralisieren und verhindern, daß das
Blut der Mutter Antikörper bildet.
2. Von Leukämie
(Blutkrebs) spricht man, wenn sich die weißen
Blutkörperchen überdurchschnittlich stark
vermehren. Sie tritt in verschiedenen Formen auf.
Ursache können Erbschäden sein, aber auch
Strahlung, Viren oder Chemikalien wie Benzol. Die
Symptome sind vielfältig wie Drüsenschwellungen,
Milzvergrößerung, Hautblutungen und schweres
Krankheitsgefühl, wie es auch für andere
Krebserkrankungen typisch ist.
3. Die Polyzythämie
(Höhenkrankheit) wird durch zuviel rote
Blutkörperchen ausgelöst. Ursache ist meist
Sauerstoffmangel, wie er bei längerem Aufenthalt in
hohen Bergregionen auftritt. Auch Funktionsmängel
von Lunge und Herz können dieses Krankheitsbild
auslösen.
4. Die Sichelzellanämie ist ein Defekt der
roten Blutkörperchen bei Bewohnern Afrikas und im
Mittelmeerraum. Erblich sind Bluteiweiße
geschädigt, die die Blutbahn verstopfen und oft
schon in der Kindheit zum Tode führen.
Der Blutdruck ist ein wichtiger Indikator
für die gesundheitliche Verfassung des Menschen. Der
gesunde Blutdruck liegt bei 135/85. Bei Werten über
140/90 spricht man von Bluthochdruck (Hypertonie). 18
Millionen Menschen sind in Deutschland davon
betroffen. Für sich genommen ist er keine Krankheit
und tut auch nicht weh. Aber er verursacht eine
stärkere Abnutzung der Arterien und vieler Organe,
wie Herz, Hirn und Nieren. Dadurch sinkt die
Lebenserwartung, und zwar je höher der Blutdruck
ist, desto stärker. In manchen Fällen ist
Bluthochdruck erblich bedingt, aber meist ist er eine
Folge von zivilisationsverursachten Risikofaktoren
wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Stress und
Bewegungsmangel. Salzreiche Nahrung, vor der früher
gewarnt wurde, gilt heute nur noch bei erblich
Gefährdeten als Risiko. Wer bereits Bluthochdruck
hat, kann durch Einsparen von Salz keine Besserung
erreichen.
Neue Medikamente, die sogenannten Sartane, lassen
auf effektive Hilfe hoffen, weil sie im Gegensatz zu
den bisherigen ACE-Hemmern kaum noch Nebenwirkungen
haben.
Zu niedriger Blutdruck ist seltener. Betroffene
leiden unter Müdigkeit, häufigen Kopfschmerzen,
Schwindelanfällen und Antriebsarmut. Doch trotz der
unangenehmen Symptome können sie sich wegen der
Schonung der Blutgefäße und Organe auf eine
erhöhten Lebenserwartung freuen. Zu niedriger
Blutdruck ist nur dann gefährlich, wenn er Symptom
einer versteckten Herz- oder Kreislaufschwäche ist.
Deshalb ist auch in diesen Fällen eine gründliche
ärztliche Untersuchung unbedingt erforderlich.
Übrigens: Ausdauertraining nutzt sowohl Menschen mit
Hochdruck wie mit niedrigem Blutdruck, weil es die
Kreislaufleistung auf dem Normalmaß stabilisiert.