Werden Kinder für Eigeninitiative immer wieder
bestraft, für widerspruchslose Folgsamkeit aber
belohnt, so geben es die meisten bald auf, sich zur
Wehr zu setzen. Nach der Trotzphase folgt eine Phase
der Beruhigung. Sie verinnerlichen die Normen ihrer
Umgebung und geben in vielem den Eltern nach. Bei
soviel Erziehungserfolgen ahnen wir nur selten, um
welchen Preis diese Beruhigung erzielt wurde. Denn
die Kinder tun das "Richtige" nur, weil sie
nach wenigem Lob und vielen Strafen gelernt haben,
jedes andere Verhalten zu vermeiden.
Ein solches Lernen ist tückisch, wie folgende
klassische Experimente aus der Lernpsychologie
zeigen:
Das erste betrifft das Lernen durch Bekräftigung,
wurde von dem berühmten russischen Physiologen Iwan
Pawlow durchgeführt und ist Ihnen aus der Schule
vertraut. Ein Hund erhält zusammen mit seinem Futter
ein Lichtsignal. Dabei sondert er vermehrt Speichel
ab, den er benötigt, um das Futter zu zerkauen. Nach
einigen Tagen hat er "gelernt", daß immer
das Licht angeht, bevor es Futter gibt, und beginnt
mit der Speichelabsonderung bereits, wenn die Lampe
aufleuchtet. Die Speichelreaktion erfolgt jetzt nur
auf das Lichtsignal hin, auch ohne Futter. Wenn
allerdings das Futter in den folgenden Tagen ständig
ausbleibt, sobald die Lampe angeht, hört der Hund
allmählich wieder auf, auf das Licht zu reagieren.
Diesen erlernten Zusammenhang von Licht und
Speichelreaktion nennt man einen bedingten Reflex.
Betrachten wir eine andere Versuchsanordnung.
Statt des Hundes nahmen die Wissenschaftler ein
Pferd. Statt des Futters verabreichten sie einen
leichten elektrischen Stromstoß, der nicht
schmerzhaft war, aber doch unangenehm genug, um ihm
nach Möglichkeit auszuweichen. Das Pferd wurde auf
ein Laufband geschickt. Es lief entgegen der
Bewegungsrichtung des Bandes, das heißt, es befand
sich in vollem Galopp, obwohl es vom Beobachter aus
gesehen nicht von der Stelle kam. Wenn der
Experimentator nun einen Stromstoß auf das Band gab,
sprang das Pferd nach oben, um dem elektrischen
Schlag auszuweichen. Wurde zusammen mit dem
Stromstoß ein Lichtsignal gesendet, konnte das Pferd
nach einigen Tagen bereits nach oben springen, wenn
die Lampe anging, ohne erst den Stromstoß
abzuwarten. Doch hierbei gab es einen entscheidenden
Unterschied zu dem Lernen des Hundes. Wenn jetzt der
Stromstoß ausblieb und nur das Licht angeschaltet
wurde, sprang das Pferd weiterhin nach oben. Es
hörte auch dann nicht auf, auf das Licht zu
reagieren, wenn schon wochenlang kein elektrischer
Schlag mehr ausgeteilt worden war.
Woran liegt das? Bei dem Hund hat das kurz danach
gereichte Futter jedesmal die Bedeutung des
Lichtsignals bestätigt. Bei dem Pferd handelt es
sich aber um ein Vermeidungslernen. Das
Licht bot ihm die Gelegenheit, einer unangenehmen
Erfahrung auszuweichen. Dadurch hatte das Pferd aber
keine Möglichkeit mehr festzustellen, daß sich zu
einem späteren Zeitpunkt die Situation änderte und
der Stromstoß ausblieb. Ein solches Lernen prägt
sich viel nachhaltiger ein als der bedingte Reflex,
seine Informationen wirken unter Umständen
lebenslang.
Es handelt sich um einen simplen Lernmechanismus,
der bei Mensch und Tier weitverbreitet ist und
unterhalb der Schwelle bewußten Nachdenkens
funktioniert. Wenn ein Kind ständig hört "Man
spricht nicht unaufgefordert, wenn Erwachsene
reden" und für Zuwiderhandlungen bestraft wird,
ist Schüchternheit das Ergebnis. Entgegen aller
Vernunft rechnet es unbewußt, also gefühlsmäßig,
auch als Erwachsene(r) noch mit Strafe, wenn es
Fremde ansprechen soll.
Wer umlernen will, muß sich genau den Erfahrungen
aussetzen, die er seit der Kindheit vermied. Nur so
kann er erleben, daß die Folgen gar nicht mehr so
bedrohlich sind, wie er bisher meint. Wer als
Erwachsener fremde Erwachsene anspricht, wird nicht
mehr so bestraft, wie er es als Kind erlebte. Deshalb
genügen oft wenige Erfolgserlebnisse, um die
Hemmschwelle dauerhaft zu überwinden, positive
Erfahrungen zu verinnerlichen.
Wer unter Hemmungen und Blockaden leidet, besitzt
zwei Möglichkeiten, sie zu überwinden:
- sich selbstbewußt zu seinen
Charakterschwächen bekennen,
- Hemmungen mit einem kleinen
Selbstsicherheitstraining vermindern oder gar
überwinden.
Dabei gilt es, sich realistische Ziele zu setzen.
Aus einem schüchternem Jüngling wird sicher kein
funkensprühender Casanova mehr. Aber jeder kann sich
mit etwas Mühe so weit verändern, daß er ohne
großes Herzklopfen und Erröten mit Unbekannten
Kontakt aufnehmen und sich selbstsicher zu seinen
Ansprüchen bekennen kann.
Sich zu seinen Unsicherheiten bekennen. Da
wenig Selbstbewußte oft ein äußerst kritisches
Bild von sich selbst haben, sehen sie nicht, daß
ihre Zurückhaltung für ihre Mitmenschen auch etwas
Anziehendes besitzt. Die Probleme enden häufig,
sobald der Kontakt erst einmal hergestellt ist. Denn
Zurückhaltende haben den Vorteil, daß sie weniger
dominant auftreten als sehr selbstsichere Personen.
Dominante reißen oft die Unterhaltung an sich,
fahren ihren Gesprächspartnern über den Mund,
brechen die Diskussion einfach ab, wenn sie nicht so
läuft, wie sie es sich gedacht haben, und geben sich
wenig Mühe, sich auf andere Teilnehmer einzustellen.
Schüchterne Personen sind aufgrund ihrer
kritischen Selbsteinschätzung eher bereit, ihr
Gegenüber ernst zu nehmen. Sie überlassen ihm gern
die Gesprächsführung. Dadurch wirken sie auf den
zweiten Blick freundlich und intelligent. Während
die selbstsicheren Gäste auf den ersten Blick
blenden und sich bei näherer Bekanntschaft oft
zeigt, daß sich hinter der tollen Fassade nur eine
recht durchschnittliche Seele verbirgt, verhält es
sich bei den meisten Schüchternen umgekehrt. Sie
gewinnen, wenn man sie näher kennenlernt.
Wenn es Ihnen schwer fällt, einen blendenden
ersten Eindruck zu machen verzichten Sie
darauf, mit den Partylöwen und Femmes fatales der
Silvesterfete, an der Sie gerade teilnehmen, zu
konkurrieren! Gehen Sie lieber auf Gäste zu, die
ebenso wie Sie das Geschehen aus geschützten Ecken
beobachten. Sagen Sie "Hallo, ich bin ..."
und wenn Ihnen beim besten Willen kein passender
Gesprächseinstieg über die Lippen kommt
sagen Sie einfach: "Ich möchte mich gern mit
Ihnen (dir) unterhalten. Leider bin ich ziemlich
schüchtern (oder: unsicher) und weiß anfangs nie so
richtig, was ich sagen soll."
Darauf erhalten Sie mit Sicherheit eine
ermutigende Reaktion. Die einen werden Ihnen
erzählen, daß es ihnen ganz genauso geht, und schon
befinden Sie sich mitten in einer Unterhaltung über
frühere Erfahrungen mit der Öffentlichkeit. Die
übrigen werden versuchen, Ihnen mit irgendeinem
anderen Thema die Befangenheit zu nehmen und kein
verlegenes Schweigen aufkommen zu lassen.
Selbstsicherheitstraining. Volkshochschulen
und private Institute bieten Schulungen in Form eines
Verhaltenstrainings an, um innere Hemmungen zu
überwinden. Heikle soziale Situationen werden im
Rollenspiel trainiert und anschließend im Ernstfall
erprobt. Die Erfolgsquote ist ziemlich hoch. Wer so
gehemmt ist, daß er jede Art von Öffentlichkeit
eher fürchtet als genießt, sollte auf jeden Fall
die Unterstützung eines Verhaltenstrainers in
Anspruch nehmen. Bei unauffälligerer Schüchternheit
oder wenn die Hemmungen nur in bestimmten
Situationen auftreten können Sie das Training
auch allein durchführen.
Das Grundprinzip besteht im Überwinden des
Vermeidungsverhaltens. Wer die Begegnung mit Fremden
meidet, wer nie eine Konfrontation riskiert, erhält
nie die Gelegenheit zu erfahren, daß diese
Situationen gar nicht so schlimm sind, wie er sie
sich in seiner Phantasie ausmalt. Einige wenige
positive Erfahrungen genügen häufig schon, um die
Scheu zu überwinden. Dazu begeben wir uns zunächst
in einfache Situationen, die nur eine leichte
Selbstüberwindung erfordern und in denen ein
peinliches Scheitern so gut wie ausgeschlossen ist.
Nach und nach wird der Schwierigkeitsgrad gesteigert.
Egal, ob Sie sich eher für schüchtern oder eher
für selbstbewußt halten: Lesen Sie bitte die
folgenden Aufgaben durch und versuchen Sie sich
vorzustellen, wie Ihnen bei der praktischen
Durchführung zumute wäre.
- Könnten Sie die Aufgabe ohne Zögern
ausführen?
- Empfinden Sie die Sache als heikel, könnten
Sie sie aber dennoch mit einem leichten
Herzklopfen und einer gewissen inneren
Überwindung bewältigen?
- Wäre Ihnen die Aufgabe äußerst peinlich,
so daß sie sie gar nicht oder nur im
äußersten Notfall durchstehen könnten?
Die Aufgaben sind nach Schwierigkeitsgrad
geordnet. Die erste traut sich fast jeder zu, die
letzte nur eine kleine Minderheit. Da viele von uns
nur in bestimmten Situationen Hemmungen empfinden,
kann es durchaus sein, daß Sie eine leichtere
Aufgabe ablehnen, dafür aber eine schwierigere noch
für möglich halten.
- Grüßen Sie alle Leute, die Sie nach den
üblichen Höflichkeitsregeln überhaupt
grüßen dürfen die Briefträgerin,
alle Verkäuferinnen und Nachbarn, alle
Unbekannten, denen Sie in Ihrem Betrieb oder
in öffentlichen Gebäuden begegnen ,
von nun an nicht nur mit einem flüchtigen
Kopfnicken, sondern schauen Sie Ihnen fest in
die Augen und sagen deutlich "Einen
schönen Tag wünsche ich Ihnen" (oder
etwas ähnliches, was über ein flüchtig
gemurmeltes "n Tag"
hinausreicht). Treffen Sie eine dieser Person
ein zweites Mal, fügen Sie eine Bemerkung
an, der eine Einladung zu einem Small Talk
sein könnte: "Tolles (oder
scheußliches) Wetter heute, nicht
wahr?" "Kalt (oder warm)
hier", "Riecht das hier nach Kaffee
(Tee, Rauch, Desinfektionsmittel, Parfüm
...)?"
- Gehen Sie eine halbe Stunde an einen belebten
Ort, zum Beispiel in eine Geschäftsstraße
oder auf einen Universitätscampus, und sagen
Sie mit freundlichem Gesicht mindestens zu
zehn Unbekannten "Guten Tag".
Blickkontakt und Lächeln nicht vergessen!
Einige werden zurück grüßen, einige
verwundert überlegen, woher Sie sich kennen,
die übrigen werden nicht reagieren. Sollte
Sie jemand fragen, wieso Sie ihn oder sie
grüßen, können Sie antworten: aus
Sympathie oder Sie hatten den Eindruck, Sie
seien sich schon einmal begegnet. Auf keinen
Fall entschuldigen Sie sich!
- Grüßen Sie ab jetzt nicht nur alle
Menschen, die Sie nur flüchtig kennen
(Postfrau, Kioskverkäufer, Kollegen aus
anderen Abteilungen), sondern wechseln Sie
mit ihnen bei jeder Begegnung ein, zwei
Sätze über das Wetter oder über ihre
Tätigkeit. Oder stellen Sie unverfängliche
Fragen, die Sie sich vorher überlegt haben.
Sie wissen schon: Wann die Schicht der
Zeitungsausträgerin beginnt, ob es im Kiosk
zieht, ob die Verkäuferin beim Bäcker
eigentlich noch Süßes essen mag. Zeigen Sie
echtes Interesse. Verabschieden Sie sich mit
einem freundlichen "Bis morgen".
- Rufen Sie in einer Behörde oder anderen
öffentlichen Institution an und bitten Sie
freundlich um eine spezielle Auskunft. Fragen
Sie zum Beispiel in einer Bibliothek nach der
Einwohnerzahl Brasiliens. Oder bitten Sie
nachzuschauen, ob sie in ihrem größten
Lexikon Angaben über den Schlachtenmaler
Giovanni Casanova, den Bruder des berühmten
Herzensbrechers, finden. Geben Sie eine kurze
Begründung, warum Sie diese Auskunft
brauchen (für eine Examensarbeit oder für
einen Volkshochschulkurs) und bedanken Sie
sich freundlich, wenn die Angestellten Ihnen
helfen aber auch, wenn Sie mit einem
Hinweis auf die Vorschriften oder mangelnde
Zeit abgewiesen werden. Keine Entschuldigung
für die Störung!
- Sprechen Sie nun Menschen an, zum Beispiel in
Wartezimmern oder in der Warteschlange des
Supermarktes. Fragen Sie, wo sie eine
bestimmte Ware, die Sie in deren Einkaufskorb
entdecken, gefunden haben, oder wie der Wein,
den sie kauften, schmeckt. Bedanken Sie sich
für die Auskunft.
- Kaufen Sie eine nicht zu teure Ware, die Sie
nicht benötigen, in einem Geschäft, das
Ihnen ein vierzehntägiges Umtauschrecht
garantiert. Gehen Sie nach drei Tagen wieder
hin und machen Sie freundlich von Ihrem
Umtauschrecht Gebrauch. Geben Sie keine
Begründung, warum Sie es sich anders
überlegt haben. Fragt man Sie nach den
Gründen, sagen Sie: "Ich habe es aus
einer Laune heraus gekauft, aber zu Hause
wurde mir klar, daß ich es nicht
brauche."
- Gehen Sie in ein Geschäft und sagen Sie
wörtlich: "Würden Sie mir bitte diesen
Zwanziger in einen Zehner und Münzen
wechseln?" Machen Sie das so oft, bis es
Ihnen nichts mehr ausmacht, abgewiesen zu
werden.
- Eilen Sie an der Schlange einer
Supermarktkasse oder eines Fahrkartenschalter
nach vorn und bitten Sie die Leute, Sie
ausnahmsweise vorzulassen. Sie hätten es
furchtbar eilig, weil Ihr Zug gleich fährt
(beziehungsweise weil Ihr dreijähriges Kind
allein zu Hause wartet).
- Fahren Sie in ein Stadtviertel außerhalb
Ihrer Wohngegend und spielen Sie für eine
Stunde Tourist. Erkundigen Sie sich bei
Passanten nach Sehenswürdigkeiten,
Verkehrsverbindungen und Restaurants. Wenn
Sie eine etwas schwierige Wegbeschreibung
erhalten, bitten Sie die betreffende Person,
Sie bis zu einer bestimmten Stelle, die sie
genannt hat, zu begleiten.
- Fahren Sie in einem öffentlichen
Verkehrsmittel außerhalb der Spitzenzeiten.
Setzen Sie sich einem Fahrgast gegenüber,
der ein Buch liest. Versuchen Sie, sie oder
ihn in ein kurzes Gespräch über das Buch zu
ziehen. Falls Ihnen kein eigener Vorwand
einfällt, hier zwei Vorschläge. "Ihr
Buch sieht interessant aus", dabei
schauen Sie auf den Umschlag, "ist das
ein Krimi (Liebesroman usw.)?" Oder:
"Ich muß morgen verreisen und suche
noch etwas Kurzweiliges für unterwegs. Liest
sich Ihr Buch gut? Ist es spannend?"
- Sprechen Sie in der U-Bahn, einem Park oder
einem Kaufhaus eine Person des anderen
Geschlechts an, nachdem Sie ihr ein kurzes
Lächeln zugeworfen haben, und sagen Sie
sinngemäß: "Sie sehen sympathisch aus.
Ich möchte Sie gern kennenlernen. Darf ich
Sie zu einem Kaffee einladen?" Egal, wie
der/die Angesprochene reagiert
zustimmend, freundlich-ablehnend, verwundert
oder mit verächtlich-musterndem Blick
bewahren Sie eine gelassene Haltung. Wenn Sie
diese Begegnung durchstehen und merken, daß
niemand Ihnen den Kopf abreißt, solange Sie
höflich sind, haben Sie die Aufgabe bereits
erfolgreich bewältigt. Ob die angesprochene
Person auf Ihre Einladung eingeht oder nicht,
hängt von ihr ab, nicht von Ihnen.
- Ziehen Sie sich gute Sachen an (Anzug oder
Kostüm), sodass Sie seriös wirken.
Bewaffnen Sie sich mit Kugelschreiber und
Notizblock und starten Sie in einer belebten
Geschäftsstraße Ihre private
Meinungsumfrage. (Vermeiden Sie den späten
Nachmittag und den Samstagvormittag, wenn
alle es eilig haben.) Sagen Sie, Sie
recherchierten für ein Buch und fragen Sie:
"Was tun Sie, wenn Sie schlechte Laune
haben, um wieder in Stimmung zu kommen?"
Oder: "Was halten Sie von Small
Talk?" Lassen Sie sich die Antworten
begründen und bedanken Sie sich freundlich
für die Auskünfte.
Wenn Sie Ihren Selbstsicherheit stärken wollen.
Führen Sie die Übungen, die Ihnen machbar
vorkommen, in der Praxis durch. Beobachten Sie Ihre
Reaktionen. Spüren Sie Herzklopfen? Kostet es Sie
eine gewissen Überwindung? Manche Aufgabe fällt
nicht schwer, wenn der Notfall eintritt (zum
Beispiel, wenn Sie wirklich dringend einen Geldschein
wechseln müssen). Das ist der Unterschied von
Selbstbewußten und Gehemmten: Erstere können frei
über ihr Verhalten entscheiden, letztere sind
Gefangene der Situation. Deswegen können
selbstbewußte Menschen ihrer Umgebung ihren Stempel
aufdrücken und eine Situation in ihrem Sinne
verändern.
Danach wagen Sie sich an die halbwegs heiklen
Aufgaben. Wiederholen Sie jede Übung so oft, bis Sie
sie mit Leichtigkeit bewältigen. Variieren Sie die
Übung. Übertragen Sie sie sinngemäß auf andere
Schauplätze und andere Personen. Die Übung 11
dürfen Sie auch dann durchführen, wenn Sie eine
Frau, verheiratet und treu sind. Folgt der/die Fremde
Ihrer Einladung, führen Sie eine nette Unterhaltung,
bedanken sich am Ende, aber sagen klar, daß Sie den
Kontakt nicht fortsetzen möchten. Falls Sie
allerdings Single sind und diesem Zustand gern ein
Ende setzen möchten ...
Wer die leichteren und mittelschweren Aufgaben mit
Bravour durchgestanden hat, dem scheint die
Hemmschwelle für die schwierigsten Übungen nicht
mehr so hoch wie zu Anfang. Sie können ja mit einer
vereinfachten Version beginnen. Statt sich gleich mit
einem Notizblock in die Fußgängerzone zu stellen,
setzen Sie sich erst einmal neben eine fremden Person
auf eine Parkbank und fragen Sie nach ihrer Meinung.
Je öfter Sie am eigenen Leib erfahren, daß
andere Menschen sehr oft positiv reagieren, wenn Sie
mit einem ungewöhnlichen Anliegen an sie
herantreten, desto eher sicherer lösen sich die
inneren Blockaden auf, die bisher Ihre Kontakte und
Kommunikationsmöglichkeiten einschränkten. Auch in
den Fällen, wo die Angesprochenen eher abweisend
reagieren: Daß Sie es wagten, ist Erfolgserlebnis
genug und wird Ihre Selbsteinschätzung und damit Ihr
Selbstbewußtsein verbessern.