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In der Evolution fing es an. Lange bevor die ersten Menschen über unseren Planeten wandelten. Männchen und Weibchen suchten nach einem Partner, der die besten Gene für ihren Nachwuchs beisteuerten. Was lag da näher, als bei den Informationen, aus denen das andere Geschlecht auf die Qualität der Erbanlagen schloß, ein wenig zu schummeln? Männchen plusterten sich auf, um stärker zu wirken. Produzierten lautere Töne, präsentierten schönere Nester und warben eifrig um das Weibchen. Dieses wiederum gab sich wählerisch, um seinen Wert in die Höhe zu treiben.

Der Mensch hat diese Tradition fortgesetzt. Frauen investieren in Kleidung und Kosmetik, um mehr Gesundheit und Schönheit vorzutäuschen als vorhanden ist. Männer prahlen mit ihren Erfolgen und umgeben sich mit Statussymbolen, um sich als verlässliche Ernährer des künftigen Nachwuchses anzupreisen. Jeder, der sich schon einmal Hals über Kopf verliebt hat, kennt die Folgen dieser Täuschungsmanöver. Nach einigen Monaten entpuppt sich der Traumpartner als Durchschnittsmensch. Nicht selten scheitert die Liebe an dieser Ent-Täuschung.

Sie lädt ihn das erste Mal zu sich ein und bringt gebackenen Lachs auf den Tisch, weil er gern Fisch ißt. Sie haßt Fisch, kaut aber tapfer mit. Er glaubt eine verwandte Seele gefunden zu haben. Obwohl er ebenso tapfer zuhört, wenn sie Enrique Iglesias in den CD-Spieler schiebt, und verschweigt, dass er eher auf AC/DC steht. Es gibt noch romantische Männer, denkt sie – bis er am fünften Abend stöhnt: „Kannst du nicht mal was anderes auflegen?“

Warum lügen wir – nach Angaben der Forscher bis zu 200 Mal am Tag? Wenn wir doch die Wahrheit über alles lieben? Die einfache Antwort lautet: Aus Angst. Wir fürchten Sympathien zu verlieren. Andere zu verletzten. Aber vor allem, dass unsere Fehler ans Tageslicht kommen. Erstaunlicherweise sind auch in langjährigen Ehen Lügen an der Tagesordnung. Selbst wenn es nicht um harte Brocken wie Untreue geht. Selbst wenn die Partner alle Täuschungsmanöver längst durchschauen, mit allen Tricks des anderen vertraut sind.

Die Lüge ist dann ein Mittel, sich vor zu großer Nähe zu schützen. Ein paar Freiräume zu bewahren. Man entzieht sich dem allzu großen Kontrollbedürfnis des Partners mit einer kleinen Schwindelei. Selbst wenn er die Wahrheit ahnt: Solange er nichts beweisen kann, muss er gute Miene zum betrügerischen Spiel machen. Dabei sind

Typisch männliche Schwindeleien:
Wenn er zu schnell fährt: „Der Tacho ist nicht richtig eingestellt.“
Wenn er ein paar Kumpels traf: „Ich hab versucht anzurufen, dass es im Büro heute länger dauert. Aber mein Akku war alle.“
Wenn er vergessen hat, Dinge aus der Stadt mitzubringen: „Tut mir leid, ich habe extra angehalten, aber der Ketchup war ausverkauft.“

Typisch weibliche Schwindeleien:
Beim Anblick schlanker Modells: „So würde ich nie aussehen wollen. Die sind doch alle magersüchtig.“
Sie will mit ihrer besten Freundin klönen: „Ich ruf nur mal kurz meine Mutter an.“
Sie hat schon wieder neue Schuhe gekauft: „Neu? Wenn mich öfter mal anschauen würdest, wüsstest du, dass ich die schon vor zwei Jahren getragen habe.“

Warum auch nicht? Fühlt sie sich beim Sex nicht besser, wenn er sagt „Du hat einen wunderschönen Körper“ – obwohl er seine Augen schließt und sich Jennifer Lopez vorstellt? Fühlt er sich nicht als Held, wenn sie einen Orgasmus vortäuscht und flüstert „Du warst großartig“? Die Psychologie weiß längst: Nüchternheit und Realismus erzeugen schlechte Laune. Ein bisschen rosa Brille umgibt das Leben mit Glanz und Freude. Und bewahren der Ehe einen Schimmer Romantik.

 

 

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