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Ausgabe 01/2001
Niemals mehr sprachlos!
Wie Sie Totschlag-Argumente erkennen und neutralisieren

Gespräche, vor allem im Beruf, sind meist mehr als bloßer Informationsaustausch. Es geht darum, sich zu profilieren, sich als kompetent und innerlich stark zu zeigen. Wo wir auch mitreden, wir sind uns bewußt, daß wir immer ein Stück unseres Charakters preisgeben und mit jedem Wort auch um Beachtung und Sympathie werben. Kein Wunder, daß wir immer wieder auf Zeitgenossen treffen, die unsere Bemühungen vereiteln wollen.

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Haben Sie das auch schon erlebt? Sie haben diskutiert und sind aus dem Schlagabtausch der Argumente nicht gerade als strahlender Sieger hervorgegangen. Auf dem Heimweg fallen ihnen plötzlich einige Sätze ein, die sie dem andern wirkungsvoll hätten entgegenschleudern können - wenn sie ihnen rechtzeitig auf die Zunge gekommen wären. Wie schaffen Sie es, beim nächsten Mal rechtzeitig auf dem Posten zu sein?

Unser Irrtum besteht darin, daß es in einem solchen Falle lediglich darum geht, wer das bessere Argument hat. Selbst wenn wir schlagfertig geantwortet hätten - wären wir wirklich Sieger geblieben? Wer sagt uns, ob der andere nicht auch darauf eine Erwiderung gefunden hätte, die uns sprachlos zurückließ? Totschlag-Argumente sind nicht einfach besonders klug, so daß man sie mit einer klügeren Erwiderung neutralisieren könnte. Sondern sie haben eine Struktur, die eine sachliche Entgegnung ausschließt. Diese Struktur bleibt uns in der Diskussion meist verborgen. Wir mißverstehen es als sachliches Argument und wundern uns, daß uns eine gelungene sachliche Antwort nicht einfällt.

In Wirklichkeit sind Totschlag-Argumente so formuliert, daß eine sachliche Widerlegung gar nicht möglich ist. Es ist daher nicht nötig, sich über unsere Sprachlosigkeit zu ärgern. Sie liegt in der Natur der Sache und hat nichts mit persönlichem Unvermögen zu tun. Schauen wir uns zunächst einige typische Totschlagargumente an, analysieren die in ihnen verborgenen Gesprächsfallen und überlegen anschließend, wie man sie erfolgreich abwehrt.

"Was Sie da sagen zeigt, daß es Ihnen auf diesem Gebiet an Erfahrung fehlt."

"So kann man die Frage nicht stellen. Es geht vielmehr um ..."

"Du drehst und wendest die Argumente, wie du sie gerade brauchst."

"Das haben wir schon immer so gemacht und verdanken diesem Vorgehen unsere Erfolge."

"Seit der Untersuchung von Schmidt und Kresnik von 1994 ist bekannt, daß ..."

"Schaffen Sie erst mal Ordnung und dann reden wir weiter."

Was erst auf den zweiten Blick klar wird: Alle diese und ähnliche Argumente sind keine sachlichen Erwiderungen, sondern dienen dazu, Ihnen die Diskussionskompetenz abzusprechen. Wer anfängt, seine Kompetenz zu verteidigen, befindet sich auf verlorenem Posten. Aber genau das machen wir unwillkürlich. Wir erklären, daß wir doch Erfahrung haben (bzw. sie in dieser Frage nicht benötigen), daß wir mit unserer Frage genau auf das Problem des Gesprächspartners antworten wollen, daß wir die Argumente keineswegs hin- und herdrehen, daß wir neue Wege gehen wollen, ohne die Tradition zu verletzen, die genannte Untersuchung unser Anliegen nicht außer Kraft setzt und wir mit unserm Tun die verlangte Ordnung herstellen wollen.

Wir verteidigen uns und gestehen dem andern damit das Recht zu, uns anzugreifen. Was er auch weiter tun wird. Wer sich verteidigt, gibt zu, daß er es nötig hat, sich zu verteidigen. Geübte Schlagfertigkeit ist keine wirkliche Abhilfe. Der Gegner kann darauf immer entgegnen (Beispiel 1): "Sehr witzig. Mein Kompliment. Aber geistreiche Bemerkungen werden Ihren Mangel an Erfahrung kaum wett machen können."

Solange Sie argumentieren, und sei es noch so schlagfertig, lassen Sie sich von Ihrem Diskussionsgegner die Spielregeln aufzwingen. Um Totschlag-Argumente zu neutralisieren, müssen Sie die Spielregeln Ihres Gegenüber außer Kraft setzen und ihm Ihre eigenen Spielregeln aufzwingen. In der Kommunikation gilt: Nur wer die Regeln des Gesprächs (mit-)bestimmt, geht nicht unter.

Statt sich also zu verteidigen, zwingen Sie Ihren Gegner, sich seinerseits zu verteidigen. Dafür gibt es eine sehr einfache Methode, die keine geistreichen Formulierungen erfordert. Sie nehmen lediglich das Totschlag-Argument wörtlich und stellen dazu eine Rückfrage. So als wollten Sie mehr Information zu dem Argument, um es besser beantworten zu können:

"Welche Erfahrung benötige ich, um mich zu dem Problem äußern zu dürfen?"

"Warum darf ich die Frage nicht so stellen?"

"Woraus genau schließt du das?"

"Wann denn? Und welche Erfolge erzielten Sie damit?"

"Was genau steht in dieser Untersuchung?"

"Was stört Sie?" (oder: "Bedeutet das, ich soll meine Meinung nicht äußern?")

Machen Sie die Probe aufs Exempel und staunen Sie: der Angreifer kommt nun seinerseits ins Stottern. Durch die Rückfrage muß er seinen Angriff verteidigen und beweisen, daß hinter seiner Anklage ein inhaltlich begründeter Einwand steht. Eine solche Rückfrage können Sie immer stellen. Es gibt kein Totschlag-Argument, das sich nicht mit Rückfragen neutralisieren ließe. Selbst bei patzigen Reaktionen ("Sie halten uns wohl alle für bescheuert?") können Sie ruhig nachfragen ("Wie kommen Sie darauf?"). An der Reaktion auf Ihre Rückfrage erkennen Sie zugleich, ob es sich tatsächlich um ein Totschlag-Argument handelte (dann kommt Ihr Angreifer ins Schwimmen) oder um einen begründeten Einwand. In letzterem Fall wird Ihr Gegenüber eine sachliche Erklärung geben können.

Egal, welche der beiden Möglichkeiten eintritt: Auf jeden Fall muß Ihr Gegenüber sich nun inhaltlich mit Ihnen auseinandersetzen. Kommt ein gewichtiger Einwand, sagen Sie: "Das ist ein bedenkenswerter Aspekt. Ich werde darüber nachdenken." Sie machen sich eine Notiz und sprechen dann zu einem anderen Gesichtspunkt weiter. Sobald Sie sich erneut in die Enge getrieben fühlen, suchen Sie nicht weiter nach einem geistreichen Argument, sondern stellen wieder eine Rückfrage. Auf diese Weise werden Sie in Zukunft jede heikle Diskussion meistern.

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